Was blauer Himmel und Sonne doch ausmachen! Letzte Woche war ich zu Besuch in Mulhouse und die leicht depressive Stimmung, die die südelsässische Stadt mit ihren sozialen Brennpunkten und den leer stehenden Ladenflächen in der Innenstadt sonst oft auszeichnet, war auf einmal wie weggeblasen.

Ich sass im Café Mozart, habe mir eine süsse Köstlichkeit vom Edelpatissier Jacques gegönnt und den Blick von dort, das Café befindet sich im ersten Stock am zentralen Platz Place de la Réunion, über die vielen gut besetzten Aussentische schweifen lassen. Beim Flanieren durch die Rue Henriette und die Rue des Boulangers, die von dem Platz abgehen, dann der selbe Eindruck von pulsierenden Leben. Die Fussgängerzone von Mulhouse ist übrigens seit langem durch Poller vor dem Autoverkehr geschützt – Poller, bei denen in Basel selbst die mehrmals angekündigte Testphase noch aussteht.

Aufgefallen ist mir auch der eine oder andere Technik-Schnickschnack. So kann man an den Parkuhren mithilfe seines Handys seine Autonummer eingeben und bargeldlos eine oder zwei Parkierstunden buchen. Mit einer Kreditkarte lässt sich an 40 Stationen, die sich alle 400 Meter in der Stadt befinden, unkompliziert ein Velo ausleihen. Das ist bei schönem Wetter insbesondere praktisch, wenn man mit einem der zahlreichen Züge von Basel und Mulhouse fährt und vom Bahnhof zum exotischen Markt fahren möchte, der am Samstag am grössten und schönsten ist.

Bitter bleibt der Konkurs des grossen Warenhauses Globe, das seit einem knappen Jahr die Pforten geschlossen hat und wie ein angeschossenes, wundes Tier mitten in der Innenstadt liegt. Ich habe viele Jahre in Mulhouse gewohnt und deshalb erlaube ich mir diesen zugegeben recht blumigen Vergleich. Aber der Globe von Mulhouse mit seinen vielen guten Markenprodukten war für mich auch immer der Beweis, das es in der südelsässischen Ex- Industriestadt eine Mittel- und Oberschicht gab, die Wert auf gute Ware legte und sich diese auch leisten konnte. Man stelle sich vor, der Basler Globus müsste schliessen – katastrophal!

In Mulhouse bringt das geschlossene Kaufhaus noch einen weiteren Nebeneffekt. Viele Einheimische haben das Erdgeschoss mit seiner Herrenabteilung als beliebte Abkürzung vom Place de la Réunion und der dortigen Kirche Temple Sainte-Etienne zur zentralen Einkaufsarterie Rue du Sauvage genutzt. Übersetzt heisst sie Wilder Mann Strasse. Die Nazis haben das übrigens während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg am Anfang nicht verstanden und sie in Adolf Hitler Strasse umbenannt – dies aber angesichts der feixenden Bevölkerung schnell wieder rückgängig gemacht.

Mit Geschichte hat auch der Place de la Réunion etwas zu tun. Sein Name bezieht sich auf den 15. März 1798, als Mülhausen sich der Französischen Republik angeschlossen hat. Vorher hatte die Stadt fast drei Jahrhunderte als zugewandter Ort eine enge Beziehung zur Schweiz. Das Bündnis mit der ganzen Eidgenossenschaft, die damals aus 13 Kantonen bestand, wurde am 19. Januar 1515 in Zürich unterschrieben – das 500-jährige Jubiläum dieses Anlasses wird dieses ganze Jahr gefeiert. So nahm Mulhouse auch an der Seite der Eidgenossen 1521 an den Mailänderkriegen und der Schlacht bei Marignano teil. 1505 hatte Mulhouse schon ein geheimes und 1506 ein offizielles Abkommen mit Basel abgeschlossen.Davon zeugt bis heute das Wappen von Mulhouse, das sich am Basler Rathaus findet.