Der Stadtkanton will heiraten, doch die landschaftliche Braut will davon nichts wissen: 55 Prozent der Stimmenden in der Stadt sagen «Ja» zur Fusionsinitiative, auf dem Land lehnen 68 Prozent der Stimmenden diese ab. Keine einzige Landgemeinde hat die Initiative angenommen.

Das Resultat lässt an Deutlichkeit also nichts zu wünschen übrig, auch wenn die Stimmbeteiligung mit 52 Prozent in der Stadt und 53 Prozent auf dem Land für eine solche «Generationenabstimmung» nicht eben hoch war. In beiden Halbkantonen hat sich knapp die Hälfte der Bevölkerung nicht dafür interessiert, wie es mit ihrem Kanton weitergeht.

Die Frage ist bloss: Wie geht es jetzt weiter? Denn die Landschaft hat den Heiratsantrag der Stadt zwar heftig abgelehnt, die beiden Halbkantone leben aber längst im Konkubinat. Und es ist nicht eben förderlich für eine Wohngemeinschaft, wenn einer der Partner den anderen so heftig und so emotional ablehnt, wie das weite Kreise der Landschaft im Abstimmungskampf gemacht haben. Ausziehen aus der gemeinsamen Wohnung ist keine Option. Die beiden Basel sind existenziell aufeinander angewiesen. Sie seien «siamesische Zwillinge», erklärte der Basler Regierungspräsident Guy Morin gestern.

Die Partnerschaft zwischen beiden Basel ist zwar im Abstimmungskampf immer von allen Seiten bekräftigt worden, trotzdem ist sie jetzt zwei konkreten Gefahren ausgesetzt: Trotz und Abwendung.

In der Stadt besteht die Gefahr der Trotzreaktion gegen jene Landschäftler, welche die Stadt in den letzten Wochen schlecht geredet haben. Die Emotionen gingen zuweilen arg hoch auf dem Land. So hoch, dass immer mehr Städter sagten: Mit so unflätigen Landschäftlern wollen wir gar nichts zu tun haben. Die hochgekochten Gefühle müssen sich jetzt hüben wie drüben wieder abkühlen. Es muss Friede einkehren unter dem gemeinsamen Dach, sonst wird das Zusammenleben rasch sehr mühsam.

Auf dem Land besteht die Gefahr der Abwendung von der Stadt. Schön, dass die Baselbieter ihren Kanton gern haben. Das löst aber in der Sache kein einziges Problem. Im Abstimmungskampf haben die Gegner einer Fusion immer beteuert, die Zusammenarbeit werde nicht infrage gestellt. Gestern hiess es bereits, man erwarte, dass die Baselbieter Regierung der Stadt gegenüber jetzt härter auftrete und die Interessen der Baselbieter Bevölkerung besser vertrete.

Wenn Stadt und Land sich künftig mehr um sich selbst kümmern, wird die Region als Ganzes verlieren. Stadt und Land gehören zusammen, ob fusioniert oder nicht. Die Stadt hat ohne Land keine Zukunft und das Land nicht ohne Stadt. Wenn die Landschaft partout nicht heiraten will, dann leben sie halt weiter im Konkubinat. Vielleicht wäre es aber klug, das Zusammenleben mit einem Konkubinatsvertrag abzusichern.