Königsmorde sind immer eine Schlagzeile wert. Letzte Woche wurde bekannt, dass sowohl der Verwaltungsratspräsident als auch der Geschäftsleiter der Industriellen Werke Basel (IWB) über Nacht gehen mussten. Geheimnisvoll war von strategischen Differenzen die Rede. Dabei liegt der Grund des Zerwürfnisses wie ein offenes Buch vor uns, für alle einsehbar in der kantonalen Energiestatistik.

Basel-Stadt versteht sich als Energie-Pionier. Unter dem Eindruck der erfolgreichen Besetzung des Atomkraftwerkgeländes in Kaiseraugst hatte der Kanton während Jahrzehnten das fortschrittlichste Energiegesetz der Schweiz. Doch dieser Vorsprung schwand, weil andere Stände aufholten. Nach der Katastrophe von Fukushima reifte die Erkenntnis, dass es nicht mehr genügt, sich auf alten Lorbeeren auszuruhen. Unter geschickter Regie von Wirtschafts-, Sozial- und Umweltminister Christoph Brutschin gelang es in der Folge, dem Energiegesetz neue Zähne zu verpassen.

Seit einigen Monaten weht ein frischer, ökologischer Wind in der Förderung erneuerbarer Energien und beim Energiesparen. Bis 2050 will der Kanton den lokalen Ausstoss von Treibhausgasen um 85 Prozent senken. Dies gilt für Gebäude, Haushalte, Gewerbebetriebe und die Industrie (aber noch nicht für den Verkehr). Bloss eine Tonne Kohlendioxid (CO2) darf dannzumal pro Person und Jahr entstehen, rund vier Mal weniger als heute. Auf den Punkt bringt die Folgen des Gesetzes das Heizungstechnik-Unternehmen Omlin aus Birsfelden. Es schreibt auf seiner Webseite: «Ab 2018 sind in Basel-Stadt neue Gas- und Ölheizungen praktisch verboten.» Im Gegenzug unterstützt der Kanton zum Beispiel die Installation von Erdsonden-Heizungen, die mit elektrischen Wärmepumpen betrieben werden. Die vom Gesetz und vom Gebäudeprogramm des Bundes begünstigte, massive Wärmedämmung von Häusern führt dazu, dass die Energie, die von aussen zugeführt werden muss, auf beinahe Null sinkt. Ausserdem braucht es dank der guten Isolation im Sommer keine Kühlung. Bereits sind erste Plusenergie-Mehrfamilienhäuser in Betrieb, die mehr Strom produzieren, als sie verbrauchen. Mit diesen Überschüssen lassen sich in Zukunft auch elektrische Fahrzeuge betreiben, vom E-Bike bis zum selbst fahrenden Elektro-Stadtmobil.

Mit dem Anziehen der Sparschraube sinkt bei den Endkonsumenten die Energierechnung massiv. Und dieses Geld fehlt dann in der Kasse der IWB. Wer hingegen die Transformation zu einem effizienteren System mit Fachwissen, Investitionen und Technologie unterstützt, verdient gut. Auf diesem Pfad der Tugend sollen die IWB nach dem Willen der Regierung wandeln. Das ist aber einfacher gesagt als getan. Ein Blick in die Energiestatistik offenbart, wie schwindlig es bei dieser Forderung einem IWB-Boss werden muss. Nehmen wir einen beliebigen Wintermonat, zum Beispiel den Januar 2017, als die IWB rund eine Million Megawattstunden Energie verkauften. Davon entfielen gemäss dem Statistischen Amt sage und schreibe 71 Prozent auf Erdgas. Platz zwei belegte mit 18 Prozent die Fernwärme. Mit 11 Prozent abgeschlagen auf dem letzten Rang lag der Stromabsatz, von dem in der Werbung so viel die Rede ist. Dazu kommt, dass auch die Fernwärme zu mindestens einem Drittel mit Gas und anderen nicht erneuerbaren Energien produziert wird.

Fazit: Das Geschäftsmodell des städtischen Versorgers beruht so einseitig auf Erdgas, dass die gesetzlich vorgeschriebene und sinnvolle Reduktion des CO2-Ausstosses um 85 Prozent das Ende der heutigen IWB bedeutet. Mit dem simplen Vollzug des Energiegesetzes verschwinden in umsatzstarken Monaten drei von vier Kilowattstunden aus der Ertragsrechnung. Und selbst im Sommer, wenn nicht geheizt wird, fällt jede zweite Lieferung weg.

Die IWB-Leitung gleicht einem Autofahrer, der mit einem Fuss Gas gibt, um vorwärts zu kommen, während der andere Fuss voll auf der Bremse tritt, um weniger Energie zu verschwenden (was wiederum den Verkauf von Energie untergräbt). Ein solches Unternehmen kann nicht gedeihen.

Die schizophrene Art, wie die IWB geführt werden müssen, bricht jedem Management das Genick. Deshalb wäre der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat gut beraten, sich eine Aufspaltung der IWB zu überlegen: In eine traditionelle Sparte, deren Buchhaltung sich am nahtlosen Bereitstellen und Verkauf einer schrumpfenden Menge fossiler Energie orientiert (und die vielleicht noch CO2-Kompensation vermarktet) sowie in eine IWB Erneuerbar AG, die Industrie, Gewerbe und Bevölkerung auf der Reise in ein neues, fossilfreies Zeitalter begleitet und mit innovativen Lösungen unterstützt.