Kürzlich hat mir ein Freund von seinem Garagisten berichtet. Dieser hätte ihm erzählt, dass es zwischen Deutschland und der Schweiz kaum mehr Preisunterschiede beim Kauf neuer Reifen gebe.

Ich fand das überraschend und habe es nachgeprüft. Am einfachsten geht das auf den Internetseiten reifendirekt.ch und .de. Tatsächlich kam ich bei neuen Winterreifen für meinen VW Golf umgerechnet auf den exakt gleichen Preis. Bei den Sommerreifen war der Kauf auf der Schweizer Website sogar drei Franken günstiger. Etwas anders sieht das aus, wenn ich das Angebot zweier grosser Reifendienste vergleiche. Bei den Winterreifen lassen sich bei der Fahrt nach Weil tatsächlich zehn Franken je Reifen sparen, bei den Sommerreifen hingegen schmilzt der Unterschied wieder gegen Null.

Einen Haken hat der Vergleich allerdings. Bis zum Wert von 300 Franken ist der Import neuer Reifen in die Schweiz zollfrei. Mit dem Wohnsitz in der Schweiz kann man sich vom deutschen Händler einen Zettel für die Mehrwertsteuererstattung geben lassen und die ist mit 19 Prozent happig. Je länger je mehr empfinde ich diese deutsche Massnahme zur Förderung des dortigen Detailhandels als massiv wettbewerbsverzerrend.

Wie dem auch sei. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich es vor kurzem noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch geschafft habe, die Winterreifen auf mein Auto montieren zu lassen. Im Rahmen dieser Kolumne lag es auf der Hand nachzurecherchieren, wie sich der Gesetzgeber hinsichtlich der Winterbereifung in den drei Ländern äussert. Keine generelle Pflicht gibt es in Frankreich. Sie kann allerdings kurzfristig auf Gebirgs- und Bergstrassen verfügt werden.

In Deutschland ist das «situativ» geregelt. Will heissen, bei Schneeglätte, Schneematsch, Eis- und Reifglätte muss man die entsprechenden Winter- oder Ganzjahresreifen aufgezogen haben. Verstösse kosten 60 Euro; behindert man gar den Verkehr, kann das ein Bussgeld von 80 Euro kosten. In der Schweiz gibt es keine generelle Pflicht, Winterreifen aufzuziehen und man setzt auf Selbstverantwortung. Wer wegen seiner ungenügenden Ausrüstung allerdings einen Unfall hat, dem können vom Versicherer die Leistungen gekürzt werden. Auch wer bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen fährt, macht sich strafbar.

Es ist gar nicht so einfach, die Regelungen im Dreiland auf einen Nenner zu bringen. Ich halte es mit dem TCS und gehe auf Nummer sicher: Er empfiehlt Winterpneus von Oktober bis Ostern. Die meisten Schweizer Autofahrer machen das wohl auch, denn die Lörracher Polizei weiss von keinen Schweizern zu berichten, die aufgrund ungenügender Bereifung gebüsst wurden.

In Bezug auf die Geschwindigkeitsbeschränkungen wird sich Frankreich im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit der Schweiz annähern. Nach Medienberichten plant die Regierung, diese auf zweispurigen Landstrassen von derzeit 90 Stundenkilometern auf 80 Stundenkilometer wie in der Schweiz zu reduzieren. Die Automobilverbände laufen Sturm, aber die französische Regierung ist überzeugt, dass sich so die Unfälle reduzieren lassen. Eines allerdings hat sie sich nicht getraut: Die Promillegrenze von 0,5 auf 0,2 herabzusetzen. Vor den Festtagen wäre die Ankündigung extrem unpopulär gewesen.