Liebe Liberal-Demokratische Partei Basel-Stadt,

Vorige Woche erhielt ich von Ihnen einen freundlichen Brief, der mich rätseln lässt, ob Sie das Wort «liberal» wirklich zu Recht in ihrem Parteinamen führen – oder ob Ruhe für die Reichen eher angemessen wäre. Unterzeichnet war Ihr Schreiben von Parteipräsidentin Patricia von Falkenstein, Grossrat André Auderset und Corinne Eymann, die Sie als «Parteimitglied und Anwohnerin» vorstellten. Auch mich haben Sie – wie alle Nachbarn – als Anwohner adressiert, weil ich am Schaffhauserrheinweg im Wettsteinquartier zuhause bin.

Ihr Aufruf schiesst scharf gegen ein Projekt des Kantons und der Rheinschifffahrt, die gemeinsam den bestehenden Rheinstrand vor unseren Häusern erweitern wollen. Dies mit Hilfe des Aushubmaterials, das bei der geplanten Vertiefung der Schifffahrtsrinne anfällt. Daraus resultiert eine wunderbare Win-Win-Win-Situation: Die Schiffe können tiefer laden, die Menschen schöner sonnenbaden und der Abtransport des Aushubs nimmt den kürzesten Weg, was das Portemonnaie der Steuerzahler und die Umwelt freut.

Das sehen Sie als Liberaldemokraten (LDP) anders. Lärm, Littering und Lausbuben würden das Uferidyll gefährden: «Eine zusätzliche Belastung ist dort nicht erwünscht.» Sie glauben, sich schützend vor uns Privilegierte stellen zu müssen. Und dies mit einem harten Veto: «Die LDP lehnt diese Erweiterung des Freizeitangebots an diesem Ort unserer Stadt ab.» Ihr Brief wirft die Frage auf, wem das Rheinufer gehört. Gegen die Wünsche einer grossen Mehrheit verteidigen die Rechte einiger Weniger. Natürlich wollen wir Anwohnerinnen und Anwohner unsere Interessen wahren. Aber das Rheinufer ist nicht in unserem Besitz. Wir haben vielleicht für die Aussicht etwas mehr bezahlt. Aber es war uns dabei bewusst, dass unsere Fenster auf ein belebtes und beliebtes Stück Basel gucken.

In der Tat gibt es – wie bei jedem Ausflugsziel – unangenehme Nebenerscheinungen. Die Liste der Belästigungen fängt beim Parkplatz-Suchverkehr an. Die illegal übernachtenden Camper sind ein weiteres Ärgernis. Dann gibt es Feste mit lauter Musik, qualmende Grillpartys und Raucher, die ihre Stummel achtlos wegwerfen. Noch nicht einmal erwähnt habe ich die Hündeler, die ihre kleinen und grossen Lieblinge am Wasser herumstreunen, baden und sch..en lassen, obwohl überall ein Hundeverbot signalisiert ist.

Weit über 90 Prozent der Besucherinnen und Besucher des Rheinstrandes verhalten sich jedoch rücksichtsvoll und geniessen einfach das schöne Wetter, das Wasser und die einmalige Atmosphäre. Der Strand gehört als öffentlicher Raum zu Basels Attraktionen und Wahrzeichen. Er ist mit ein Grund, weshalb viele gerne hier wohnen und die Stadt zunehmend Touristen und prosperierende Unternehmen anlockt. Weil der Platz an schönen Tagen knapp ist, liegt es nahe, den Kies-Streifen zu erweitern. So wie wir Schulen bauen, wenn die Zahl der Kinder steigt.

Was spricht dagegen? Die Gründe habe ich genannt. Doch ist Ihr Veto wirklich der liberale Weg, um das Problem zu lösen? Wäre es nicht viel gescheiter, sich einzugestehen, dass Basel neuerdings eine spektakulär schöne «Beach» hat? Diese will, wie jede Badebucht zwischen Bali und Biarritz, bewacht und betreiben sein. Auch wenn es nicht Malibu ist, wäre eine «Baywatch» mit Pamela Anderson und David Hasselhoff hoch willkommen. Doch sind auch andere freundliche, starke und schwimmtüchtige Menschen dieser Aufgabe gewachsen. Sie sollten die Übersicht bewahren können und mit ihrer polyglotten Art einer Stadt wie Basel wohl anstehen. Das kostet nicht alle Welt, da sich ihr Einsatz auf drei warme Monate beschränken würde. Vorbild könnte für einmal Zürich sein, wo die Stadt «la dolce vita» am Limmatufer bis tief in die Nacht auf diese Weise im Zaum hält.

Die Basler «Baywatch» hätte nicht nur Rettungsaufgaben, sondern hielte auch ein Auge darauf, dass die grosse Freiheit am Bach nicht überbordet. Die Strandreinigung und die Rücksichtnahme auf uns Nachbarn wäre den Basler «Bagninos» – wie ihren Vorbildern von Rimini – ein zentrales Anliegen. Ebenso die Ermahnung gesetzloser Hundehalter oder von Festbrüdern, die sich und die Welt zu später Stunde vergessen. Kann ja mal passieren. Den Einsatz einer solchen unterstützenden, kleinen Crew hätte ich von Ihnen als typisch liberale Lösung erwartet. Diese sorgte dafür, dass die Lust der Einen nicht zur Last der anderen gereicht. Ihr phantasieloses und wirtschaftsfeindliches «Njet» würde damit überflüssig. Noch ist es nicht zu spät, diesen Vorschlag in Ihr Parteiprogramm zu übernehmen. Sie fragten mit Ihrem Brief nach unserer Meinung, «auch wenn Sie gegenteiliger Ansicht sind». Et volià, bedienen Sie sich – mit freundlichen Grüssen!