Grabenkämpfe um Verkehrspolitik gehören in Basel der Vergangenheit an. Schön wär’s! Ausdruck des Gegenteils ist das Referendum von ACS & Co. gegen das Veloring-Projekt des Grossen Rates. So schlagen wir halt das nächste Kapitel einer unendlichen Geschichte auf, die schon fast langweilt: Das Parlament entscheidet sich mit deutlicher Mehrheit, inklusive vieler bürgerlicher Stimmen, für eine effizientere Abwicklung des Verkehrs. Wie das Amen in der Kirche folgt das Referendum, wenn die Begünstigten Velofahrer, Fussgängerinnen oder Trams sind.

Meist bedarf es dafür jedoch des Anstosses von aussen: Eine Telefonkonferenz von vier oder fünf Geschäftsleitern regionaler Verbände, mit Wohnsitzen wie Binningen, Liestal, Duggingen und Lupsingen, spurt die Unterschriftensammlungen vor. Auf dem Trittbrett fährt dann eine Handvoll autofixierter Basler Verkehrsideologen mit. Aus juristischen Gründen braucht es sie jedenfalls – für das Referendumskomitee. Solche Abstimmungs-Begehren bewirtschaften die Hauptschwäche einer nicht ideologischen Verkehrspolitik: Vor lauter Pragmatismus traut sie sich nicht, zum Beispiel visionär die «Velostadt Basel» auszurufen. Selbst das verkehrspolitische Leitbild des Kantons hangelt sich politisch korrekten Begriffen entlang wie «Erreichbarkeit», «Lebensqualität», «Sicherheit» und «Kosteneffizienz». Es fehlt ein anschauliches, greifbares Ziel wie «klimaneutrale Mobilität». Diese hat sich beispielsweise Kopenhagen, mit grosser internationaler Resonanz, auf die Fahne geschrieben. Genau dafür wäre die Ausgangslage in Basel deutlich besser als in der dänischen Hauptstadt: Bei uns werden nur 18 Prozent der Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, in Kopenhagen sind es immer noch 30 Prozent.

Ohne Vision gelingt es in Abstimmungskämpfen nur schwer, den Zusammenhang zu vermitteln zwischen einem Teilprojekt, das gerade zur Diskussion steht, und übergeordneten Zielen. Denn diese kennt keiner. So verheddert sich die Diskussion in Details. Dadurch treten die Schwächen, die jeder Antrag hat, deutlicher hervor und das Grosse und Ganze verblasst. An diesem Mechanismus scheiterten beispielsweise in der Volksabstimmung die dringende Neugestaltung des Vorplatzes beim Badischen Bahnhof und die Tramverlängerung zur Erlenmatt. Die Verkehrsdiskussion muss deshalb lernen, zwischen Ideologiefreiheit, die gut ist, und fehlender Vision, die fatal sein kann, zu unterscheiden. Vielleicht eine Aufgabe für die neue Legislatur.

Doch weshalb sage ich, dass der Veloring ein unideologisches Projekt ist? Es entspricht einem Bedarf. Es hilft allen Verkehrsträgern. Es bringt der Stadt Basel und dem Gewerbe wirtschaftlichen Schub. Und es ist erst noch kostengünstig. Der Veloverkehr hat allein in den letzten fünf Jahren um 20 Prozent zugenommen. Auf manchen Abschnitten wähnt man sich eher in einem engen Verkehrsgarten als auf einer öffentlichen Strasse. Da kommen sich Velos und Autos gefährlich nahe. Wenn ACS-Geschäftsführer Christian Greif in der «Basler Zeitung» schreibt, das Zweirad werde «vor allem dann genutzt, wenn es schönes Wetter ist, weder regnet noch schneit noch zu kalt ist, wenn die Strecke nicht zu lang und das Transportgut nicht zu schwer ist», dann hat er wohl die schwarzen Stahlrösser von anno dazumal vor Augen. Heute prägen Leichtbau-Rahmen, Elektrobikes, Anhänger aller Art und bei schlechtem Wetter praktische, regendichte Jacken mit warmen Handschuhen den Strassenalltag. Diese Ausrüstung und ihre Pflege sind auch ein gutes Geschäft für das Gewerbe.

Und das Preisschild? Die 25 Millionen Franken für den Veloring entsprechen den Kosten von 25 Metern (!) Nordtangente. Und dort haben Fahrräder nichts zu suchen. Damit ist wohl alles gesagt.