Mein Leben im Dreiland

7000 Einwohner und keinen einzigen Hausarzt

Peter Schenk
(Symbolbild)

(Symbolbild)

Dem elsässischen Städtchen Huningue sind seit Anfang April alle Hausärzte weggelaufen. Jetzt sucht der Maire welche per Headhunter. Im übrigen Dreiland liegt das Problem wegen der baldigen Pensionierung vieler Allgemeinmediziner noch in der Zukunft.

Jean Marc Deichtmann ist nicht zu beneiden. Seit Anfang April hat der Maire des elsässischen 7000 Einwohnerstädtchens Huningue ein Problem. Der Ort hat zwar in einen sogenannten «pole santé» investiert, eine Art Gesundheitszentrum, doch dort gibt es Kardiologen und auch einen Kinderarzt, aber keinen Hausarzt mehr. Vorher waren es vier: Einer ging in Rente, zwei verliessen das Zentrum, weil die Miete zu hoch und die Patienten zu schwierig seien, wie es in der Zeitung «l'Alsace» hiess. Der vierte sah sich nicht in der Lage, dem Ansturm, der da drohte, Herr zu werden.

Seitdem versucht der Maire mit allen Mitteln, dem Problem Herr zu werden. Sogar eine Pariser Headhunter-Agentur hat er eingeschaltet, aber unterschrieben hat bisher noch niemand. Jetzt versucht man, dem aktuellen Mangel durch Telemedizin zu begegnen. Eine dauerhafte Lösung aber ist das nicht. Spätestens, wenn im Winter die Grippewelle anrollt, brauchen vor allem die älteren Einwohner einen Allgemeinarzt. Ungewöhnlich ist, dass das Problem sich nicht auf dem Land, sondern im städtischen Ballungsraum Basel stellt.

In den beiden Basel ist der Hausarztmangel vor allem ein Zukunftsproblem. «Zur Zeit haben wir noch, was wir brauchen, aber in zehn Jahren werden viele Hausärzte pensioniert. Dann kann es sein, dass wir in einen Mangel hineinlaufen», erklärt die Kantonsärztin Basel-Landschaft Monika Hänggi. Ganz ähnlich tönt es im Stadtkanton. Laut Anne Tschudin, Leiterin Kommunikation im Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, sieht er sich mit der absehbaren Zunahme von erkrankten Menschen und dem sich abzeichnenden Mangel an Hausärzten konfrontiert. Noch aber ist die Zahl der Hausärzte stabil: Im Januar 2017 gab es 265 Bewilligungen gegenüber 266 im Januar 2012. Der Grund dafür sei die zentrale Lage, aber auch die Massnahmen zur Förderung der Hausarztausbildung.

So investiert die Stadt in enger Zusammenarbeit mit dem Universitären Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel in die ärztliche Weiterbildung. 2014 habe man dafür 12,8 Millionen Franken ausgegeben. Teil davon ist auch die Finanzierung von 75 Prozent des Lohns von Praxisassistenzärzten, die für sechs Monaten in Hausarztpraxen arbeiten. An diesem Programm nimmt auch das Baselbiet teil. «Es ermöglicht, Erfahrungen zu sammeln und läuft sehr erfolgreich für Baselland», sagt Kantonsärztin Hänggi. «70 Prozent der Ärzte bleiben danach in der Praxis und davon wiederum sind 80 Prozent in Baselland.»

Im Landkreis Lörrach hat zumindest jede grössere Gemeinde noch ihren Hausarzt. Weil der Anteil der über 60-jährigen dort aber höher ist als im Landesdurchschnitt, könnte es sein, dass sich die Situation verschlechtert. Für ganz Baden-Württemberg geht die Kassenärztliche Vereinigung davon aus, dass sie in den nächsten Jahren 500 Hausarztpraxen nicht nachbesetzen könne. Das Land unterstützt mit Beträgen von bis zu 60 000 Euro Hausärzte, die sich in unterversorgten Gebieten niederlassen. Der Landkreis Lörrach erfüllt die Kriterien dafür allerdings nicht.

Bei einer Umfrage unter 152 Hausärzten nannten sie den Mangel an Nachwuchs und die ungleiche Verteilung als Problem. Eine Schwierigkeit, und da wären wir wieder beim Thema Dreiland, sei die Abwanderung von Fachkräften in die Schweiz.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

Meistgesehen

Artboard 1