Basel ist beleidigt. Basel ist verletzt. Weil Musik Hug der Kulturstadt seine Liebe aufgekündigt hat und den Standort Freie Strasse verlassen will. Die sozialen Medien sind voller Ach und Weh, und jeder stellt die Gründe so dar, wie es seinem Weltbild entspricht. Die einen mutmassen, es seien die hohen Mieten, die anderen, die Geschäfte liefen nicht mehr gut wegen des starken Frankens oder weil keine Autos mehr vor den Laden fahren dürfen (was im Falle von Musik Hug nicht einmal stimmt).

Und weil in Basel derzeit Wahlkampf ist, wird der Geschäftsvorgang politisch aufgeladen: «Die tote Innenstadt hat man ja der rot-grünen Regierung zu verdanken», verkündet ein SVP-Grossratskandidat. Die gleichen Kreise argumentieren, der öffentliche Verkehr würde die Konsumenten zum Billigshoppen nach Weil am Rhein verführen. Dritte sagen, die Menschen würden sich halt im Fachgeschäft beraten lassen, um dann im Internet günstig einzukaufen.

Dies alles sind Mutmassnungen. Und Musik Hug sorgt auch nicht für mehr Klarheit: Es wird nicht einmal erklärt, dass die Filialen St. Gallen und Basel nicht mehr rentieren. Sie rentieren einfach weniger als andere. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Um die wahren Gründe zu kennen, jenseits von Polemik, Selbstmitleid und Basel-«Bashing» müssten wir die Geschäftsbücher von Musik Hug kennen.

Denn wie läuft so ein Schliessungsentscheid ab? Es gibt mehrere Möglichkeiten: Zum Beispiel könnte es schlicht sein, dass man zwei unterdurchschnittlich rentable Geschäfte schliesst, um die Gesamtrentabilität der Ladenkette zu erhöhen. Pro Mitarbeiter, pro Umsatz, pro investiertem Franken kommt dann unten mehr Gewinn heraus. Wenn dies nicht im Vordergrund steht, ist eine andere Option, dass man bei Musik Hug den Standort Basel analysiert hat und zum Schluss gekommen ist: Bei den heutigen Mietpreisen an der oberen Freien Strasse lässt sich über Vermietung eine höhere Rendite herausholen als über ein eigenes Geschäft; dies erst noch mit weniger Aufwand. Für diese These spricht, dass die Liegenschaft, in der Musik Hug untergebracht ist, Musik Hug selbst gehört.

Dies würde aber nicht für eine unattraktive Innenstadt sprechen, sondern im Gegenteil: Der Standort ist zu attraktiv, zu teuer geworden für ein Musikgeschäft. Damit hätten wir einen ähnlichen Fall wie vor wenigen Jahren bei der Schliessung von Kost Sport. Diese Entwicklung ist natürlich zu bedauern. Es stellt sich die Frage, ob das Stadtmarketing nicht in den Ladenmix eingreifen sollte, indem der Kanton solche Häuser kauft und die Verkaufsflächen günstig abgibt, wie das über Jahrzehnte im Zürcher Niederdorf praktiziert wurde. Nur aus diesem Grund konnten sich dort Schreiner, Schuhmacher und kleine Lebensmittelgeschäfte halten. Das bedeutet: Es würde nicht weniger, sondern mehr staatliche Eingriffe brauchen, um den Standort aufzuwerten.

Fazit: Ohne Einblick in die wahren – und nicht nur die behaupteten – Beweggründe der Ladenschliessungen steht alles politische und wirtschaftliche Werweissen auf tönernen Füssen und bleibt entweder vage Vermutung oder politische Propaganda.