Analyse

Alle gegen Mall – die lachende Dritte sein könnte

Caroline Mall tanzt aus der Reihe.

Caroline Mall tanzt aus der Reihe.

Analyse zur Wahlarithmetik, die in den Reinacher Gemeinderatsersatzwahl den Ausschlag geben könnte.

Die Gemeinderatsersatzwahl in Reinach ist nicht nur deshalb spannend, weil im Hintergrund die Asylheimaffäre weiter schwelt. Stellt man einige arithmetische Überlegungen an, zeigt sich: Die Ausgangslage lässt keine sichere Prognose zu.

Vier offizielle Kandidatinnen stehen für die beiden zu besetzenden Sitze zur Wahl. Es braucht im ersten Wahlgang also 25 Prozent der gültigen Stimmen, um gewählt zu sein. Jeder Stimmberechtigte darf zwei Namen auf seinen Wahlzettel schreiben. Damit dürfte die Sozialdemokratin Christine Dollinger noch die grössten Chancen haben, es im ersten Wahlgang zu schaffen. Denn sie weiss die gesamte Linke hinter sich. Nimmt man die Einwohnerratswahlen vom Juni 2016 zum Massstab, bringt es Links-Grün in Reinach auf ungefähr ein Drittel aller Wählerstimmen. Und in dieser Wahl dürfte die SP-Kandidatin zusätzlich einige Unterstützung von gemässigten Bürgerlichen erhalten, denen die SVP-Frau Caroline Mall zu aggressiv ist. Diese hatte in der Asylheimaffäre forsch gegen den Gemeinderat geschossen, während die übrigen Bürgerlichen lieber abwarten wollten. Damit ist Mall die einzige Option für Wähler, die hinter der Asylheimaffäre Mauscheleien am Werk sehen und in dieser Angelegenheit einen radikalen Kurswechsel wünschen. Doch schaut man sich den bisherigen Wahlkampf an, etwa in Leserbriefen, gibt es kaum Anzeichen, dass es ausserhalb der SVP den Bedarf gibt nach jemandem, der im Gemeinderat die Asylheimaffäre anders anpackt.

Kommt hinzu: CVP und FDP streben keine zusätzlichen Gemeinderatssitze an und stellen keine eigenen Kandidaten. Viele Bürgerliche dürften also versucht sein, die gemässigte Dollinger zu wählen - und ihre zweite Stimme nicht Mall, sondern Doris Vögeli zu geben, der Kandidatin der BDP. Diese wird auch von vielen linken Stimmbürgern gewählt werden, die sonst nicht wüssten, was sie mit ihrer zweiten Stimme anstellen sollen. Damit könnte Vögeli, obwohl von einer Kleinpartei portiert, gut abschneiden – womöglich sogar so gut, dass sie Mall überholt. Malls Partei, die SVP, kann in Reinach zwar auf über ein Drittel der Stimmen hoffen (wenn man wieder den Einwohnerrat als Bezugsgrösse nimmt). Damit kann sie zwar das absolute Mehr locker erreichen, könnte aber als überzählige hinter Vögeli und Dollinger ausscheiden.

Noch deutlicher könnte der Anti-Mall-Effekt spielen, falls Dollinger nach dem ersten Runde gewählt ist und Vögeli und Mall in einem zweiten Wahlgang gehen müssen. Dann ist die Konstellation die folgende: Auf der einen Seite eine bekannte Politikerin aus einer wählerstarken Partei, die auf wenig Unterstützung ausserhalb ihres engen Wählerspektrums zählen kann; und ihr gegenüber die Kandidatin einer Kleinpartei, die mangels Alternativen für viele die Auserkorene ist. Konkret könnte das bedeuten: Linke Wähler verzichten im zweiten Wahlgang auf ihr Wahlrecht, oder sie wollen gezielt die Hardlinerin Mall verhindern und geben ihre Stimme Vögeli. Die gemässigten Bürgerlichen tun dasselbe - und Mall zieht den Kürzeren, Vögeli ist Gemeinderätin.

Spielverderberin für die BDP-Frau könnte allerdings die Unabhängige Therese Stalder sein. Sie ist politisch noch nie in Erscheinung getreten und tritt in ihrer Wahlpropaganda als weder extrem rechts noch extrem links auf, sondern als mässigende Stimme der Vernunft. Und sie kann sich auf ein breites Beziehungsnetz abstützen. Gut möglich, dass sie viele Reinacher zum Wählen animiert, die sonst gar nicht erst wählen würden. Und manch ein Linker oder gemässigter Bürgerlicher könnte dem neuen Gesicht eine Chance geben wollen – was wiederum Vögeli entscheidende Stimmen kosten würde. Lachende Dritte wäre in diesem Fall Caroline Mall.

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