Kommentar

Alle verärgert und nichts herausgeholt

Sabine Pegoraro.

Sabine Pegoraro.

Benjamin Wielands Kommentar über den ungeschickten Umgang der Baselbieter Regierung mit dem U-Abo.

Sabine Pegoraro verzichtet auf Kürzungen bei den U-Abo-Subventionen. Ein richtiger Entscheid der Baselbieter Baudirektorin. Nur: Er war überfällig, ihre Einsicht kam zu spät. So hat sie Goodwill und Vertrauen verspielt. Bei der Bevölkerung, bei der öV-Lobby und – einmal mehr – beim Partnerkanton Basel-Stadt.

Schon im Herbst 2015 hätte sie merken sollen, dass es sich beim Umweltschutz-Abonnement um eine heilige Kuh handelt. Mit Sparen beim U-Abo gibt’s nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren. Zu gewinnen gibt’s nichts, weil eine einseitige Vertragsänderung im Tarifverband Nordwestschweiz (TNW) gar nicht möglich ist. Man hätte die Sparmassnahme also zumindest mit den TNW-Partnerkantonen absprechen sollen. Das wurde offensichtlich versäumt.

Was Sabine Pegoraro jedoch besonders ärgern sollte: Sie hat sich bei der Sparübung derart ungeschickt verhalten, dass für sie nun keine Gegenleistung herausschaut. Die U-Abo-Initianten drückten sich klar aus: Sie verlangten eine «bedingungslosen Verzicht auf jegliche Kürzungsabsichten bei der Subventionierung des Umweltschutz-Abos.» Dieses Zugeständnis hat das Komitee nun erhalten. Man könnte es auch bedingungslose Kapitulation nennen.

Doch auch dem Komitee ist klar: Die Baselbieter Regierung will beim öffentlichen Verkehr weiter sparen. Der nächste Versuch zielt nun nicht mehr auf das U-Abo selber, sondern auf die Leistungen im Tarifverbund. Bereits Ende Jahr hiess es in einem Schreiben von Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion, es gehe fortan darum, den «vergleichsweise sehr tiefen Kostendeckungsgrad» im TNW zu steigern. Gemeinsam mit den vier anderen TNW-Kantonen werde eine Bestellerstrategie erarbeitet.

Dumm nur: Die BUD steht jetzt unter verschärfter Beobachtung. Hinzu kommt, dass Links-grün und die Umweltschutzverbände gestärkt aus dem U-Abo-Streit hervorgehen. Sie werden keine Sekunde zögern, auch gegen die nächste unliebsame Abbaumassnahme wieder Unterschriften zu sammeln.

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