Ich erinnere mich noch gut daran. Bei meiner ersten grossen Recherche als Journalist ging es um das AKW Fessenheim. 30 Jahre ist das nun her und schon beim ersten Kontakt per Telefon gab die damalige Mediensprecherin den Tarif durch: «Nur dass Sie das wissen. Wenn Sie Blödsinn über uns schreiben, bekommen wir richtig Ärger miteinander.»

Schon damals galt das Atomkraftwerk wegen der Haarrisse im Reaktordruckbehälter bei den AKW-Gegnern als «Schrottreaktor». Obwohl auch ich kein Befürworter der Atomkraft war, habe ich mich bemüht, in meinen Artikeln beiden Seiten gerecht zu werden. Der Ärger mit der zitierten Dame blieb aus.

Nur beim Thema Wirtschaftlichkeit verstanden die AKW-Verantwortlichen keinen Spass. Ein Hintergrundartikel, der am Beispiel von Fessenheim nachwies, dass Investitionen in Alternativenergien rentabler sind als in das AKW, führte zu erbosten Reaktionen. Der damalige Direktor wollte mich deshalb sogar von den Pressekonferenzen ausschliessen. Wir haben dann doch einen Weg gefunden. Auf einer Doppelseite erhielten der Direktor und der damalige Freiburger Umweltbürgermeister in zwei Interviews ausführlich Gelegenheit, ihren jeweiligen Standpunkt darzulegen.

Eines ist mir aber in den 30 Jahren nie gelungen: Den Betreibern von Fessenheim zu verdeutlichen, dass meine bisweilen kritischen Fragen nicht von einem grünalternativen Wirrkopf kommen, sondern in Südbaden und in Basel Mehrheitsmeinung sind. Das Stadtparlament von Freiburg hat einstimmig von links bis bürgerlich gefordert, Fessenheim abzustellen und die Basler Regierung ist durch die Verfassung verpflichtet, sich gegen AKWs zu engagieren.

Heute fällt mir beim Thema Fessenheim vor allem auf, wie unterschiedlich die AKW-Gegner im Dreiland damit umgehen. Die Deutschen sind bei den Demonstrationen die treibende Kraft und stellen oft Zweidrittel der Demonstranten. Ein Drittel kommt aus Frankreich und ein paar wenige aus der Schweiz.
Hier ist man durch die direkte Demokratie an andere Wege gewöhnt und klagt oder gibt Studien in Auftrag.

Ich nähere mich langsam der Pensionierung. Auch das AKW Fessenheim wird immer älter.

Die Kolumne geht bis zum 12. August in die Sommerferien.

peter.schenk@bzbasel.ch