Reichen zwei Stunden? Oder müssen wir doch drei einrechnen, um durch die massiv verstärkten Sicherheitskontrollen vor dem Stadion zu kommen? Das haben wir uns auf dem ganzen Weg nach Marseille gefragt. Wir entschieden uns, früh genug dort zu sein. Schliesslich gibt es zwei Sicherheitsringe, die wir passieren müssen, um ins Stadion zu gelangen. Dass die Begegnung England - Russland lautete, machte die Situation auch nicht einfacher. Als Hochrisikopartie wurde unser erstes Spiel an dieser Europa-Meisterschaft eingestuft.

Dass das berechtigt war, zeigten die Szenen vor dem Stadion kurz vor Anpfiff. Oder jene von Donnerstagnacht, als die englischen Fans den alten Hafen von Marseille auf ihre Art und Weise umgestalteten. Oder jene unschönen Bilder, die sich kurz nach Abpfiff im Stadion boten. Englische und russische Fans gingen auf einander los, verprügelten sich. Und wir? Wir sassen glücklicherweise genug weit weg davon. Aber wirklich entspannt war ich dennoch nicht. Ein Bier hätte die Nerven beruhigt. Doch wie es so ist an Uefa-Anlässen: Im Stadion gibts keinen Alkohol.

Aber mal ehrlich: ich hätte wohl problemlos ein Bier mit ins Stadion nehmen können. Denn die oft beschworenen immensen Sicherheitskontrollen, die gab es nicht. Einmal kurz das Ticket gescannt, ein Blick in meine unübersichtliche Tasche, das wars. Kein Abtasten. Kein Ausräumen der Tasche. Und schon gar kein zweiter Sicherheitsring. Bei jedem beliebigen Super-League-Spiel wurde ich besser kontrolliert.

Das ist der «Sicherheitsring».

Das ist der «Sicherheitsring».

Natürlich – wir waren froh. Im ersten Moment. Wir waren im Stadion, konnten unsere Plätze aufsuchen und es geniessen. Unsere so lang ersehnten Ferien haben endlich begonnen. Und dann durften wir auch noch unser geliebtes England live im Stadion verfolgen.

Es schien alles zu passen. Allein den Moment, in dem Zehntausende von Engländern ihre Hymne sangen, werde ich nie mehr vergessen. Doch leider gab es an diesem Spiel eben auch die schlechten Seiten. Etwa jener Knall. Er war so laut, dass jeder und jede zusammenzuckte. Es war nur eine Pyro, gezündet von russischen Fans. Aber für einen Moment flammte ein unschöner Gedanke auf. Jener an die Nacht in Paris im November, als im Stade de France ebenfalls ein Knall zu vernehmen war. Der Gedanke war unnötig. Das weiss ich jetzt.

Was ich aber nicht weiss, ist, wie man bei einer solchen nationalen Sicherheitslage bei den Eingangskontrollen so fahrlässig sein kann.