Bürgerliche Regierungen fällten vor über zwei Dekaden einen weisen Entscheid. Sie gaben auf Basler Strassen den menschenfreundlichsten und effizientesten Verkehrsarten den Vorzug. Das sind Fussgängerinnen, Fahrräder, Trams und Busse. Basel kann stolz sein, dass dank dieser vorausschauenden Politik umweltschonende Fortbewegungsmittel heute einen höheren Anteil am Gesamtverkehr haben, als in der gefeierten Vorzeige-Metropole Kopenhagen.

Voraussichtlich im November dieses Jahres kommen nun die sogenannten «Zämme besser»-Initiativen des Gewerbeverbands zur Abstimmung. Diese wollen mit der bewährten Prioritätenordnung brechen. Ziel ist die Gleichstellung privater Autos mit den anderen Strassenbenutzern. Dies ist ein direkter Angriff auf die urbane Lebensqualität und deshalb brandgefährlich. Zunächst tönen die «Zämme besser»-Initiativen demokratisch: Was spricht gegen das angestrebte «friedliche Nebeneinander» auf der Strasse? Allerdings benötigen unterschiedlich robuste Verkehrsarten kein «Zämme», sondern getrennte und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Infrastrukturen. Der Zolli hält ja auch keine Löwen im Zebra-Gehege.

Für Fussgänger fehlen mancherorts grosszügige und sichere Trottoirs, Strassenüber-gänge und ruhige, grüne Oasen zum Verschnaufen. Auch ist die Abgrenzung zwischen Fuss- und Velowegen oft mangelhaft. Das Fahrrad benötigt als effizientestes Stadtver-kehrsmittel eine eigene, zusammenhängende Infrastruktur, sowohl für den gemächli-chen Quartierverkehr als auch für stressfreies Pendeln oder elektrische Cargo-Bikes. Es darf auch nicht den Autos in die Quere kommen. Der öffentliche Verkehr, inklusive Taxis, ist ebenfalls auf eine eigene Fahrbahn angewiesen. Noch stehen zu Stosszeiten zu viele Busse im Stau: Sie haben dann Mühe, ihre Fahrpläne einzuhalten und Anschlüsse zu garantieren.

Wenn die Bedürfnisse von Fussgängerinnen, Fahrrädern, Trams, Bussen und Taxis optimal abgedeckt sind, brauchen die Städterinnen und Städter immer weniger private Autos für ihre Arbeitswege oder Freizeitmobilität. Ein einziges Tram befördert so viele Menschen wie eine Autokolonne von einem halben Kilometer Länge (wenn in jedem Auto eine Person sitzt, was fast die Regel ist). Wir alle wünschen uns einen reibungslosen Gewerbe- und Lieferverkehr, eine pünktliche Postzustellung, zuverlässige Kranken- und Behindertentransporte sowie freie Bahn für Polizei und Rettung. Je weniger andere Autos auf der Strasse sind, um so besser kommen diese und andere notwendigen Fahrten durch.

Die «Zämme besser»-Initianten wollen diese Vorteile der bewährten Prioritäten nicht anerkennen. Der Gewerbeverband hängt der Illusion nach, dass es in der Stadt unendlich Raum gibt für noch mehr Autos. An diesem Irrtum würden Elektromobile nichts ändern. Momentan geht der Trend jedoch in die andere Richtung: Auch 2018 nahm gemäss Verkaufsstatistiken die Zahl der Benziner mit viel Hubraum und hohen CO2-Emissionen überproportional zu. Das lässt die «Zämme besser»-Initiativen auch beim Thema Klimaschutz alt aussehen.