Kommentar

Angst vor Krise ist keine Vision

Die Architekten Herzog & de Meuron haben ein Kunstwerk geschaffen. 800 neue Wohnungen für 1400 neue Einwohner und ebenso viele Jobs in einem Quartier, das dennoch mit «unerwarteter Leichtigkeit» daherkommt, wie es mehrmals an der Medienkonferenz hiess, bei der das neue städtebauliche Konzept zur Nordspitze des Dreispitz vorgestellt wurde. Auf den ersten Blick überzeugt das Konzept: Dies vor allem, weil zwei neue Parks auf dem Gelände entstehen sollen, das bisher bebaut war. Aus Beton mach grün. Der eine urbane Stadtpark, die Christoph-Merian-Anlage, wird ebenerdig sein und die Entwicklung der Natur mit bis zu einhundertjährigen Bäumen ermöglichen. Der andere, das Gottlieb-Duttweiler-Feld, findet sich in zehn bis fünfzehn Meter Höhe auf dem Einkaufszentrum M-Parc.

Möglich wird das erst dadurch, dass insbesondere bei den drei Wohntürmen extrem verdichtet und in die Höhe gebaut wird. Herzog & de Meuron sammeln gerade in London Erfahrungen mit Wohntürmen. Dort entstehen auf 58 Stockwerken 483 Luxuswohnungen. Nun ist London nicht Basel und das Projekt auch nicht identisch. Solange es der Pharma aber gut geht, werden sich auch hier Investoren und Abnehmer für teure Wohnungen finden. Sich aus Sorge vor einer Krise im Städtebau zu beschränken, ist keine Zukunftsvision.

In den Stadthäusern auf dem Gelände gibt es Platz für Genossenschaftswohnungen und Wohnungen im mittleren Preissegment. Die hohen Preise in den Hochhäusern werden mit dem Blick auf die Mittelgebirge des Dreilands belohnt.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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