Kommentar

Aschenbecher statt Verbote

«Aschenbecher statt Verbote»

Man bekommt fast Mitleid mit den Raucherinnen und Rauchern. Kaum noch ein Ort, an dem sie ihrer Sucht frönen dürfen. Nun sind die Spielplätze dran. Dieses Verbot ist jedoch unnötig. Ginge es darum, die potenziell giftigen Stummel zu verhindern, nützen auch Hinweisschilder nicht – wer bisher seine Zigarette gedankenlos im Sandkasten entsorgt hat, wird sich von einem Verbot nicht aufhalten lassen. Ginge es darum, die empfindlichen Kinderlungen vor Passivrauch zu schützen, müsste man – mit gleicher Elle gemessen – alle Verbrennungsmotoren verbannen.

Bleibt ein Motiv übrig: Die Kinder sollen keine Erwachsenen sehen, die sich lasterhaft verhalten. Rauchende seien kein gutes Vorbild, das ist auch die Haltung der Gesundheitsförderung Baselland. Denken wir diese Argumentation weiter, müsste im öffentlichen Raum vieles verboten sein. Etwa Fluchen (Kinder sollen keine Schimpfwörter hören müssen!), dreckige Kleidung (Sauberkeit ist eine Tugend!) oder Berichte über Extremsportarten (sehr gefährlich!). Da ist es nicht mehr weit zum Sozialkredit-System in China: Die Volksrepublik ist daran, eine Datenbank aufzubauen, mit der die Bürger danach bewertet werden, ob sie sich so verhalten, wie es der Kommunistischen Partei genehm ist.

Den öffentlichen Raum mit Verboten zu pflastern, passt nicht zu einer liberalen Gesellschaft. Im Fall von Spielplätzen heisst die Alternative: Aufklärung und Einsehen. Für diejenigen, die unbedingt weiterqualmen wollen, tun es gut platzierte, stabile und vor dem Zugriff von Kinderhänden sichere Aschenbecher.

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