Mein Leben im Dreiland

Auch in Hamburg ist ein bisschen Basel

Die Elbphilharmonie des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron ist ein riesiger Erfolg wie ein Besuch in Hamburg zeigt. Auch sonst finden sich Spuren von Basel in der Millionenstadt. Es gibt dort allerdings auch einige Anregungen für hier.

Es gab massive Zeit- und Kostenüberschreitungen, aber nun sind alle des Lobes voll über die neue Elbphilharmonie des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron in Hamburg. Die Massen strömen, denn jeder möchte sie sehen – am Wochenende war auch ich dabei. Sage und schreibe 1,6 Millionen Besucher sind bisher zum Begegnungsort Plaza gekommen. In luftiger Höhe hat man einen atemberaubenden Blick auf den Hafen und kann auf der Aussichtsplattform draussen um das Gebäude laufen.

Seit der Eröffnung am 11. Januar waren alle 190 Konzerte mit 250 000 Gästen ausverkauft. Meine Schwägerin, die mit meinem Bruder in Hamburg lebt, hat es bisher nicht geschafft, eine der begehrten Karten zu ergattern. Ein anderer Verwandter hat sechs Stunden vergeblich an der Kasse angestanden. Bei meinem Hamburg-Besuch warteten sogar am Freitagvormittag Dutzende, um sich die Karte für den Plaza-Zutritt zu besorgen. Für den gleichen Tag ist sie umsonst, im Vorverkauf zahlt man zwei Euro Gebühr. Der Zutritt durch die Drehkreuze ist auf 200 Personen beschränkt, deshalb braucht man eine Karte.

Für den Hamburger Kultursenator hat «das architektonische Ausnahmegebäude» dazu geführt, dass «Hamburg auch international als Kulturmetropole wieder auf die Landkarte gesetzt» wurde. Das ist doch schön, dass da Basel indirekt Entwicklungshilfe geleistet hat. Einen weiteren indirekten Gruss aus Basel habe ich in der U-Bahn entdeckt. Auf einem Plakat wurde Werbung für eine Ausstellung des Künstlers und Wahlbaslers Georg Baselitz gemacht.

Mich hat noch etwas an Basel erinnert. Ist man erst einmal in der Hamburger Innenstadt, konzentriert sich das Kulturangebot der Millionenstadt auf eine Museumsmeile beim Hauptbahnhof. Kunsthalle, Kunstverein, Kunsthaus und Deichtorhallen folgen einander in kurzem Abstand. Auch zum Buccerius Kunst Forum am Rathausplatz, wo eine Ausstellung zu Paula Modersohn-Becker zu sehen ist, dauert es zu Fuss nur zehn Minuten – kleine Wege zur grossen Kultur gibt es also nicht nur in Basel.

Dabei haben wir den Vorteil, dass auch unser Flughafen mit seinem breiten Angebot an europäischen Destinationen schnell und gut zu erreichen ist. Geärgert habe ich mich aber beim Abflug. Ich musste für meinen Flug mit Easyjet an das Gate 27. Ich habe extra gewartet, um mir dort in der Nähe etwas zu trinken zu kaufen und habe an der Bar Columbus 4,70 Euro für ein läppisches Mineralwasser hinlegen müssen.

Die Treppe hinunter gab es am Gate einen Automaten, der das gleiche Getränk für 2,20 Franken anbot – selbst im Flieger wäre ein Harrogate Sparkling mit 2,50 Euro oder 3 CHF erheblich günstiger gewesen. Natürlich ist mein Ärger kleinlich, aber ich lasse mich nun mal nicht gerne über den Tisch ziehen – selbst, wenn ich wegen rechtzeitiger Buchung für meinen Flug einen Spottpreis bezahlt habe.

An der Bar am Plaza mit dem grandiosen Blick über den Hafen hat ein üppig mit Emmentaler belegtes Brötchen nur 2,60 Euro gekostet. Noch eine Anregung habe ich aus Hamburg mitgebracht. Am Fussgängerübergang vom Bahnhof in die Haupteinkaufsstrasse springt die Ampel alle 60 Sekunden auf Grün. Angezeigt wird die Wartezeit durch eine rückwärts laufende Zahl. Weil sie wissen, wie lange es dauert, warten alle brav bis sie gehen dürfen. In Basel bin ich selber schon bei rot los gelaufen.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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