Die für die Bürgerin, den Bürger wichtigste Frage konnten die beiden Basler Gesundheitsdirektoren am Montag nicht beantworten: Werden die Krankenkassenprämien mit der gemeinsamen Spitalgruppe in Stadt und Land sinken? Doch das liegt nicht am fehlenden Willen. Diese Frage wird sich vermutlich nicht einmal beantworten lassen, wenn das gemeinsame Spitalkonstrukt in ein paar Jahren seinen Betrieb aufnimmt. Bereits ein Zeithorizont von einem halben Jahrzehnt geht in der heutigen Gesundheitspolitik mit nicht kalkulierbaren Veränderungen und medizinischen Fortschritten einher. Darum muss man sich zum jetzigen Zeitpunkt damit abfinden, mit der gemeinsamen Basler Spitalgruppe die Katze im Sack mitzukaufen, zumindest was das finale Preisschild für den Steuerzahler und die Prämienzahlerin angeht.

Zur wieder erregt aufgeflammten Partnerschaftsdiskussion lassen sich dagegen sehr wohl einige Feststellungen machen. Erstens: Was zunächst als Drohung gemeint war, entpuppt sich als gültige Betrachtungsweise. Die gemeinsame Spitalplanung und die Uni-Finanzierung hängen zusammen. Es sind dies zwei der aufwändigsten Partnerschaftsprojekte und beide für die regionale Entwicklung zentral. Deswegen braucht es ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Dossiers. Wenn Baselland in der Verhandlungen zur Uni seine Anliegen durchbringen konnte, so ist es der Fairness und den finanziellen Realitäten geschuldet, wenn es in der künftigen Führung der Spitalgruppe hinter Basel-Stadt zurücksteht. Es kommt auf die Kunst des politischen Kompromisses an, selbst wenn dieser in Zeiten der Polarisierung hoffnungslos aus der Mode erscheint und viel Angriffsfläche bietet.

Daran anknüpfend eine zweite Erkenntnis: Eine faire Partnerschaft muss nicht zwangsläufig die absolute 50:50-Parität in jedem Dossier beinhalten, da dies bloss zum kleinlichen, unproduktiven Aufrechnen gegenseitiger Investitionen verkommt, was angesichts der Komplexität der gegenseitigen Beziehungen ohnehin irgendwann an seine Grenzen stösst. Viel mehr kommt es auf das stimmige Ganze an. Also kann das Gesamtpaket durchaus den Lead der Stadt bei den Spitälern und der Kulturförderung beinhalten, wenn sich dafür das Land unter anderem zur Volluniversität bekennt – ein Zugeständnis, das vergangene Woche in der öffentlichen Würdigung der Uni-Leistungsvereinbarung beinahe untergegangen ist.

Drittens: Partnerschaftsprojekte dieser Grössenordnung brauchen Sorgfalt und Tiefgang. Schnellschüsse bringen nichts. Sowohl bezüglich der Universität als auch der Spitalzusammenarbeit kann man hierfür den beiden Basler Regierungen gute Noten erteilen. Es ist glaubwürdig, wenn beide Seiten behaupten, dass dank der intensiven Verhandlungen der Partnerschaftsgedanke zwischen den beiden Basler Regierungen so tief verankert ist wie schon lange nicht mehr. Das umstrittene Verkehrsdossier würde sich geradezu aufdrängen, als nächstes gleich umfassend angegangen zu werden. Beim Spital haben es Thomas Weber und Lukas Engelberger in den vergangenen beiden Jahren vorbildlich und fernab jeder Aufgeregtheit vorexerziert. Zudem haben sie stets signalisiert, dass sie für gute Ideen und konstruktive Anregungen offen sind, selbst wenn diese aus der entgegengesetzten politischen Ecke stammen. Gerade diese Offenheit wird für den Abschluss und die erfolgreiche Umsetzung der Spitalgruppenplanung unabdingbar bleiben. Die gestern präsentierte Vorlage enthält noch gravierende Lücken; etwa zur Frage der Folgekosten des Übertritts des Baselbieter Spitalpersonals in die städtische Pensionskasse.

Noch in einer weiteren Hinsicht ist die gemeinsame Pendenzenliste keinesfalls abgearbeitet. Demnächst braucht es zumindest eine Absichtserklärung, wie sich die Baselbieter Regierung die gemeinsame Kulturfinanzierung vorstellt, sobald der eigene Kantonshaushalt dauerhaft saniert worden ist. Auch das ist sie der guten Partnerschaft schuldig.