Persönlich

Auf dem Pausenplatz der Marktwirtschaft

Alles, was ich über die Gesetze des freien Markts weiss, stammt aus meiner Zeit als Fussballbildli-Sammler.

Alles, was ich über die Gesetze des freien Markts weiss, stammt aus meiner Zeit als Fussballbildli-Sammler.

An dieser Stelle war bereits einmal die Rede von meinem Wirtschaftsverständnis. Als ich über die Zeitökonomie der Konsumgesellschaft referierte, mag sich der eine oder andere über meine Wahrnehmung der Marktwirtschaft echauffiert haben. Das hat auch einen Grund.

Alles, was ich über die Gesetze des freien Markts weiss, stammt aus meiner Zeit als Fussballbildli-Sammler. Man mag einwenden: Das ist doch alles einfach. Haben Sie eine Ahnung. Wer erfolgreich sein will, muss sich auf eine Strategie verlegen. Er muss den Markt sehr gut kennen und schnell auf spontane Nachfragen («Hesch du no Holländer?») reagieren können – notfalls auch mal ein Wappen künstlich verknappen, indem man alle aufkauft.

Man muss die spieltheoretischen Grundsätze kennen, wenn man sich in den Dreck legt, um zu «blösele». Oder sich jene Kinder aussuchen, denen nur noch drei Bildli fehlen, die aber einen riesigen Stapel zum Tauschen haben. Sie können dann jeden Preis verlangen.

Natürlich ist der Bildli-Markt anders als die Weltwirtschaft. Er ist viel grausamer, denn die Schulbehörden haben weniger Einsicht in miese Deals als die Finma («Ja sicher, ein Goalie ist drei Feldspieler wert»). Tricksereien (Bildli biegen beim Blöselen ist Wettbewerbsverzerrung) und Diebstahl bleiben unentdeckt. Und Whistleblower (die hiessen Petzen) werden einfach verhauen. Lehrgeld zahlen heisst das dann. Nirgendwo stimmt dieses geflügelte Wort mehr als auf dem Pausenplatz der Schule.

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