Landzunge und Stadtmund

Auf die goldenen 20er

20 Jahre, hunderte denkwürdige Ereignisse.

20 Jahre, hunderte denkwürdige Ereignisse.

Ein Vulkanausbruch in Island, ein Kraftwerk-Zusammenbruch in Japan und ein Museumseinbruch in Dresden. Der arabische Frühling, Breiviks Amoklauf im Ferienlager auf Utøya, Whistleblower Snowden und die Traumhochzeit im britischen Königshaus. Muammar al-Gaddafi und Osama Bin Laden sind tot, die Notre-Dame ist abgebrannt, ein ehemaliger Immobilienmakler mit schlechtem Teint US-Präsident und die Schweiz noch immer nicht Weltmeister. Dann gab’s noch die ALS-Ice Bucket Challenge, die Rückkehr der Röhrenjeans, diverse Krisen mit noch diverseren Themen, den Brexit, das Ableben von manchen Prominenten und die Geburt von manch anderen Prominenten, den Launch von Instagram und Snapchat und ein paar noch nicht ganz kultige Sommerhits. Ganz schön viel ist passiert in diesem letzten Jahrzehnt, welches am 31. Dezember zu Ende ging. Entsprechend konnte man es zu Silvester auch nicht bei viermal Dinner for one gucken, den obligatorisch schlechten Witzen von wegen Ausrutschen und ein bisschen Sekt um Mitternacht belassen. Nein, stattdessen wurden alle nostalgisch, wehmütig und andächtig. Schliesslich stand der Übertritt in das ach-so futuristisch klingende 2020 bevor. Zeitlich befinden wir uns jetzt in einem Jahr, welches gleich weit von 2050 entfernt ist wie von 1990, ne? Verrückt, wie krass…

Und nun, wie sieht’s denn jetzt aus mit dem noch jungen, neuen Jahr? Ich hätte ja mit einem gewissen Rückenwind, angehaucht von globalen Klimadiskussionen und der Gretafrage gerechnet, doch 2020 schlenkert momentan mit reichlich Gegenverkehr irgendwo zwischen sterbenden Koalas und dem dritten Weltkrieg. Na klar – Andere belegen zum Start ins neue Jahr Fitnesskurse oder lassen sich die Haare schneiden, Trump dagegen schickt seine Superdrohne «Sensemann» nach Bagdad und jagt sie zusammen mit dem Militärkommandanten Soleimani in die Luft. Nennt man das jetzt Neujahrvorsätze durchziehen? Oder ist die Welt mit dem Neujahr irgendwie furchtloser geworden? Diese Annahme würde sich auch mit anderen Beobachtungen meinerseits der letzten zwei Wochen decken.

Ist die Strasse am Waldrand wegen Fällarbeiten gesperrt, wird eben über Land gebrettert. Hat schliesslich Bodenfrost, da gibt’s keinen Landschaden, alles cool. Und selbst wenn sich da gerade eine 12-Meter Esche im freien Fall befindet – die muss mich auch erstmal kriegen, habe schliesslich 4x4. Und überhaupt, wieso fahren wir immer suva- und verkehrssicherheitskonform? Geht doch auch mit vier Türen offen auf der Gegenfahrbahn auf dem Weg zur Vorfasnachtsparty. Wuhu, Stimmung!

Aber wieso eigentlich nicht? Angst ist bekanntlich nie ein guter Ratgeber und wenn wir uns darauf einigen können, nur im Ausnahmefall die Verkehrsregeln zu missachten, würde es uns allen guttun, den goldenen 20ern mit etwas weniger Zukunftsängsten entgegenzutreten. Es kann ja nur anders werden als bisher.

 

Eva Oberli ist Schülerin am Gymnasium in Muttenz und wohnt auf einem Bauernhof in Niederdorf.

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