Herzstück

Auf Leben und Tod

Vielleicht gibt es einmal ein FCB-Grababteil auf dem Hörnli. Darauf würde unser Autor gerne begraben werden, wenn es denn so weit wäre.

Vielleicht gibt es einmal ein FCB-Grababteil auf dem Hörnli. Darauf würde unser Autor gerne begraben werden, wenn es denn so weit wäre.

Martin Dürr ist evangelischer Pfarrer und seit 2009 Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft Basel-Stadt und Baselland. Er lebt in Basel. Sein heutiges Herzstück über Gräber und Trauerfeiern.

Eine Zeitung aus Süddeutschland fragte mich ein wenig unvermittelt: Wie wollen Sie als FCB-Fan mal bestattet werden? Oder wie sonst? Dazu habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, aber ich habe es noch nie festgelegt. Drum mache ich es gleich jetzt: Ich will nicht in ein FCB- Grababteil auf dem Hörnli, falls es denn jemals eines geben sollte.

Ich habe nichts dagegen, wenn andere das wollen. Zugehörigkeitsgefühl und Begegnungen von Hinterbliebenen können tröstlich wirken. Ich will ins Gemeinschaftsgrab, das früher grässlicherweise «Grab der Einsamen» hiess. Das ist schön angelegt und gut unterhalten.

Für mich selbst bedeuten Gräber nicht viel. An Menschen, die ich vermisse, erinnere ich mich an Orten, an denen ich etwas Wichtiges oder Berührendes mit ihnen erlebt habe. Ich möchte nicht, dass meine Hinterbliebenen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht regelmässig an ein Grab gehen, Blumen erneuern oder Zwiesprache halten mit meinem schweigenden Grabstein. Mir ist bewusst, dass das schlechte Nachrichten sind für Steinhauer und Blumenläden.

Falls, und ich sage das ganz deutlich FALLS meine Hinterbliebenen das Bedürfnis haben nach einem Erinnerungsort, dann empfehle ich ein Bänkchen an einem Waldrand oder einem Weg. Ich habe das zuerst in England gesehen und es gefiel mir. Manchmal mit einem kleinen Metallschild mit einem Namen oder einer Widmung, manchmal nur mit Initialen. Ein Ort, der einlädt, für einen Moment auszuruhen, die Beine zu strecken, den Schatten eines Baumes zu geniessen. Ein Ort für Frisch- oder Langzeit-Verliebte, ein Ort für Denker und Philosophen, für Alte und Junge und für Müde.

Ein Bänkchen wie viele andere, es soll nichts besonders Auffälliges sein. Der eine oder die andere weiss am Anfang noch, warum es neu dasteht; mit der Zeit gehört es einfach dazu und es spielt keine Rolle mehr, wer das veranlasst hat. Ich vermute, dass dies nicht ganz einfach umzusetzen sein wird, da wird es Bewilligungen und Abgaben brauchen und vielleicht ist es auch einfach zu teuer. Darum ist diese Idee keineswegs bindend.

Bindend sind hingegen meine Wünsche für die Trauerfeier: Es muss Raum geben zum Weinen und zum Lachen. Aber niemand muss irgendetwas. Wenn es finanzierbar ist, soll es Livemusik geben. Gerne in einer Kirche oder Kapelle. Einfach nicht Lieder wie «I did it my way», das habe ich schon viel zu oft gehört an Trauerfeiern.

Anschliessend soll es für alle einen einfachen Apéro geben und das Leben gefeiert werden. Das Leben geht nämlich weiter. Sterben kann anstrengend sein. Totsein wird überschätzt. Ist ja nicht mal sicher, dass alles einfach aus ist. Das Beste kommt noch. Davon bin ich überzeugt. Jetzt im Juni ist das einfacher zu sagen als im November, ich weiss.

Und nur damit es klar ist: Ich habe vor noch lange zu leben. Ich lebe nämlich gerne. Aber weil man nie weiss und solche Dinge immer vor sich herschiebt, wollte ich das Wichtigste mal festlegen. Anregungen und Ideen nehme ich gerne entgegen.

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