Mit zweifelhaften Aussagen hat die Baselbieter EVP-Ständeratskandidatin Elisabeth Augstburger eine Welle der Empörung losgetreten. Fragen zur umstrittenen «Heilung» von Schwulen und Lesben brachten die evangelische Politikerin in die Zwickmühle. Entweder sie hält mit ihren Überzeugungen hinter dem Berg und enttäuscht einen Teil ihrer Stammwähler. Denn Tatsache ist: Im freikirchlichen Milieu ist die Meinung, Homosexualität sei therapierbar, weit verbreitet. Oder Augstburger sagt ehrlich ihre Meinung, die aber im Widerspruch zum gesellschaftlichen Mainstream in der Schweiz im Jahr 2019 steht. Sie hat damit früh und unfreiwillig Klarheit geschaffen: Eine Baselbieter Ständerätin mit einem derart rückständigen Weltbild ist undenkbar.

Unbedarft wagte sich Augstburger auf die nationale Bühne, und fiel – von ihrer Kleinpartei amateurhaft beraten – auf die Nase. Offensichtlich hat man es in der Baselbieter EVP im Vorfeld versäumt, ihre Spitzenkandidatin auf heikle Positionen abzuklopfen. Dass ein Journalist auf die Idee kommen könnte, die Freikirchlerin zu «Ehe für alle» und Konversionstherapien zu befragen, lag angesichts der öffentlichen Debatten auf der Hand.

Elisabeth Augstburger hat ohnehin keine Chance auf den einzigen Baselbieter Sitz im Stöckli. Ihre Doppelkandidatur dient vor allem als Vehikel für die gleichzeitigen Nationalratswahlen. Dennoch hat die Episode das Zeug, den Ruf der bisher beliebten ehemaligen Landratspräsidentin nachhaltig zu beschädigen. Bei aller Kritik an ihren Aussagen zu Schwulen und Lesben: Das hätte die sozial engagierte Liestalerin nicht verdient.