Es haben noch nicht alle gemerkt, aber die neue 3er-Tramverlängerung nach Saint-Louis erhält eine Haltestelle neben dem riesigen französischen Supermarkt «Géant Casino». Ende 2017 soll das Tram fertig sein. Aber ich glaube, in Basel braucht sich niemand Sorgen zu machen, dass da wie bei der 8er-Tramverlängerung nach Weil am Rhein ein neues «Einkaufsträmli» entsteht, wie es oft vom Basler Detailhandel und manchen Politikern kritisiert wird.

Man braucht nur einen Blick auf die französische Seite der Dreiländerbrücke zu werfen, die Huningue mit Weil am Rhein verbindet. Regelmässig stehen am Fuss der Brücke Caddys von Elsässern, die damit ihre Einkäufe aus dem Rheincenter zurück zum Auto transportieren. Auf der Palmrainbrücke und im grossen Parkhaus des Rheincenters gibt es oft Staus, und mit dem neuen 8er-Tram hat sich die Verkehrssituation noch verschlechtert. Da ist es viel praktischer, seine Einkäufe zu Fuss zu erledigen und in Huningue zu parkieren.

Nachdem mit der Einführung des Euro die Preisvergleiche einfach geworden sind, haben die Elsässer schnell begriffen, dass die Preise in den deutschen Supermärkten wie dem «Marktkauf» im Rheincenter konkurrenzlos billiger sind als bei ihnen zu Hause. Seitdem strömen nicht nur die Schweizer in das deutsche Einkaufscenter gleich an der Grenze, sondern auch die Franzosen.

Wer aus der Schweiz ins Elsass zum Einkaufen fährt, macht dies nicht wegen der Preise, sondern wegen der anderen Produkte und des Einkaufserlebnisses – davon bin ich überzeugt. Die französischen Käse- und Fischtheken, das frische Baguette und der Wein ziehen die Menschen über die Grenze. Kommt hinzu, dass die fremde Sprache, so die Verkäuferin kein Elsässisch spricht, dem Schnuppern an einer anderen Kultur gleichkommt und schöne Ferienerlebnisse wach ruft.

Auch die Wiedererstattung der Mehrwertsteuer ist kein Argument für das Einkaufen in Frankreich. Während diese in Deutschland den Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz ohne jegliche Bagatellgrenze beim nächsten Einkaufsbesuch zurückgezahlt wird, muss man in Frankreich für mindestens 175 Euro einkaufen. Auch das Abstempeln ist komplizierter. Zwischen Weil am Rhein und Badisch-Rheinfelden sind 40 bis 50 deutsche Zöllner mit dem Abstempeln der grünen Zettel beschäftigt, in Frankreich erledigt das nur der Autobahnzoll.

Fabrice Renner ist Präsident des Detailhandelsverbands «Vitrines de Saint-Louis» und Inhaber der Weinhandlung «Au Monde du Vin». Für seine Kunden und diejenigen der Geschäfte im Zentrum von Saint-Louis ist es hochgradig unpraktisch, zurück zum Autobahnzoll fahren zu müssen. Seit Jahren bemüht sich Renner mit seinem Verband darum, den französischen Zoll zu überzeugen, die Ausfuhrbestätigungen auch am Grenzübergang Lysbüchel abstempeln zu lassen. Aber da ist nichts zu machen.

Vielleicht wird der eine oder andere aus Neugier mit dem Tram zum «Géant» fahren. 26 Kassen hat der «hypermarché», wie er in Frankreich heisst. Aber eine Massenbewegung wird das nie, davon bin ich überzeugt.