Vor zwölf Jahren wurde die bernische Politik auf den Kopf gestellt. Weil SVP und FDP übermütig wurden, und sechs von sieben Sitzen anpeilten, sich deren Wähler gegenseitig jedoch nichts gönnen mochten, waren SP und Grüne am Ende die lachenden Dritten. Zur Überraschung aller holten sie damals erst zum zweiten Mal in der Geschichte des traditionell bürgerlichen Kantons Bern die Regierungsmehrheit.

Doch an der Macht konnten SP und Grüne den Bürgern zu wenig deutlich machen, was sie besser machen. Und so holten sich SVP und FDP – und die inzwischen hinzugekommene BDP – nach dem sogenannten «Betriebsunfall» bei den Ersatzwahlen vor zwei Jahren für zwei zurücktretende SPler die Mehrheit zurück.

Weil sich das bürgerliche Lager inzwischen – zumindest für Wahlen – wieder versöhnt hat, hatten SP und Grüne auch am Sonntag keine Chance auf die erneut zum Ziel gesetzte Wende. Diese Niederlage muss sich Rot-Grün allerdings auch selber zuschreiben: SP und Grüne konnten auch in den letzten zwei Jahren in der Opposition nicht klar machen, weshalb sie zurück an die Schalthebel der Macht sollen. Und im Wahlkampf – sofern er in den letzten Wochen überhaupt wahrzunehmen war – waren sie im entscheidenden Wahlkreis gespalten: Im Berner Jura griff die Linke den umstrittenen SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg mit je einer berntreuen und einerjurafreundlichen SP-Kandidatur an und scheiterten entsprechend deutlich.

Der Sieg der Bürgerlichen besiegelt damit die bereits vor zwei Jahren eingeläutete Normalisierung der bernischen Politik. Und zwar in der Regierung wie im Parlament, das trotz einigen Sitzgewinnen der SP klar bürgerlich geprägt bleibt. Abgesehen von der BDP, die seit zwölf Jahren ebenfalls mit im bürgerlichen Regierungs-Boot sitzt, haben SVP und FDP nun wieder klar Oberwasser im Kanton Bern. Oder wie man auf Berndeutsch sagt: «Äs isch wider gäng wie gäng.»

samuel.thomi@azmedien.ch