Die enorm hohe Zustimmung zur Steuersenkung zugunsten von Wohneigentümern mag auf den ersten Blick überraschen, lässt sich aber verhältnismässig leicht erklären: Erstens stand diese Vorlage im Schatten der Prämieninitiative, eine eigentliche Kontroverse im Abstimmungskampf hat gar nie stattgefunden. Das bedeutete freie Fahrt für die Kampagne des Baselbieter Hauseigentümerverbands.

Zweitens war die nun angenommene Gesetzesänderung bei der Besteuerung von Wohneigentum eine überaus technische Vorlage. Oder wissen Sie was ein «Brandlagerwert» ist, aufgrund dessen die tabellarischen Eigenmietwerte bestimmt werden? Eben.

Aus all dem folgt: Bei solch komplizierten Vorlagen, von der diesmal erst noch ein relativ hoher Bevölkerungsanteil einen direkten finanziellen Nutzen ziehen konnte, folgt das Stimmvolk den Abstimmungsempfehlungen von Regierung und Parlament. Spätestens nachdem der Landrat die Rückdatierung des Inkrafttretens im Gegenvorschlag des Regierungsrats angepasst und diesem mit grosser Mehrheit zugestimmt hatte, stand dem deutlichen Ja nichts mehr im Wege. Anderseits war die Korrektur der, wie der Hauseigentümerverband stets betonte, «unfairen» steuerlichen Mehrbelastung nicht derart gross, dass der Neidfaktor gegenüber den Hausbesitzerinnen und -besitzern eine tragende Rolle hätte spielen können. Auch der Staatshaushalt wird die mit der Annahme verbunden Steuerausfälle ziemlich locker wegstecken können.

Unter dem Strich bleibt die positive Erkenntnis, dass Korrekturen zugunsten des einzelnen Bürgers noch immer möglich sind, wenn der Staat über das Ziel hinausschiesst. Allerdings muss betont werden, dass davon eine privilegierte Bevölkerungsschicht mit einer starken eigenen Lobby profitierte.