Sie haben sich sicher schon einmal für einen Job beworben. Dann haben Sie wahrscheinlich das Aufgabenprofil und die gewünschten Fähigkeiten durchgelesen und sich überlegt, ob Sie wohl eine Chance auf die Stelle hätten. In der Politik jedoch, scheint dies anders zu laufen. Es wird zuerst geschaut, wer an der Reihe ist und wer schon am längsten wartet. Es werden (anders als bei jeder anderen HR-Stelle) zuerst die Köpfe bestimmt und erst dann wird, wenn überhaupt, über ein geeignetes Profil nachgedacht. So jedenfalls lassen das die vielen Berichte und Spekulationen zur Regierungsratswahl 2019, die kürzlich in den lokalen Medien erschienen sind, vermuten.

Als grösste Arbeitgeberin im Kanton Baselland beschäftigt die öffentliche Verwaltung rund 3000 Vollzeitstellen. Sie ist für den Service Public verantwortlich, unter anderem für die Sicherheit, die Bildung, die Gesundheit, die Finanzen, den Verkehr und den Bau von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Strasseninfrastruktur, Brücken und so weiter.

Jährlich werden fast 3 Milliarden Franken an Steuergeldern für die Erfüllung dieser Aufgaben eingesetzt. Das jährliche Investitionsvolumen von rund 250'000'000.- darf ebenso wenig unterschätzt werden. Die fünf Departemente sind somit Organisationen in der Grösse mittlerer Unternehmen mit einem Budget aus Steuergeldern. All dies zeigt: Die Anforderungen für eine zukünftige Regierungsrätin oder einen zukünftigen Regierungsrat sind erheblich. Denn schliesslich würde man sich vor Vergabe eines CEO-Job zum nötigen Fähigkeitsausweis auch erst ein paar Gedanken machen.

Folgendes liegt für mich auf der Hand: zuoberst auf dem Anforderungsprofil für ein Regierungsratsamt steht Exekutiverfahrung, das heisst, Erfahrung in Personalführung, Projektleitung und Budgetverantwortung. Dazu kommt die Fähigkeit zu strategischem Denken, unter anderem in Hinblick auf unsere nationale Ausrichtung. Beispielsweise müssen wir uns mehr in den eidgenössischen Direktorenkonferenzen einbringen und den Kanton Baselland sichtbarer machen. Überdies brauchen wir eine Geschäftsleitung des Kantons (das ist der Regierungsrat de facto) mit Rückgrat und Durchhaltevermögen.

Die Zähflüssigkeit der öffentlichen Verwaltung und die oft unverständlichen Entscheidungsmechanismen und das An-den-Pfründen-Festhalten der Chefbeamten ist der Öffentlichkeit ein Dorn im Auge. Was ebenfalls zum erfolgreichen Führen von hunderten Beamten gehört, sind Charisma, Bestimmtheit, Empathie, rhetorische Fähigkeiten und eine hohe Sozialkompetenz.

Bereits vorhandene politische Erfahrung kann von Vorteil sein – manchmal ist es jedoch gar nicht schlecht, wenn jemand «von aussen» kommt, ohne Interessenbindungen agieren und frisches Blut hereinbringen kann. Selbstverständlich gehören schliesslich ein einwandfreier Leumund, Einsatzbereitschaft und Teamgeist dazu, sowie keine Scheu vor mutigen Entscheidungen.

Gerade aus freisinniger und bürgerlicher Sicht, wo Eigenverantwortung und betriebswirtschaftliches Denken zum Nutzen aller an oberster Stelle steht, sollten wir versuchen, für ein so wichtiges Amt gemäss dieses Anforderungsprofils eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu suchen. Deshalb sollten wir vorerst auch auf das Portieren von Personen durch die Medien verzichten.

Es dient schliesslich dem Wohle aller, wenn fähige Kandidaten durchleuchtet, den für die Nominierung zuständigen Gremien vorgeschlagen, durch sie ausgewählt und dann dem Volk zur Wahl präsentiert werden. So werden die Departemente des Kantons schliesslich auch von Personen geführt, die dem Profil entsprechende Fähigkeiten vorweisen und dementsprechend Erfolge verbuchen können.