Man kann nachsichtig sein mit Basels Bürgerlichen und behaupten, sie seien von der Rücktrittsankündigung von SP-Finanzdirektorin Eva Herzog überrumpelt worden. Jede Politikerin mit Rang und Namen kandidiert bei den Bürgerlichen bereits für National- oder Ständerat. Kein Wunder, haben LDP, FDP, SVP oder CVP ihr ganzes Pulver für die zeitgleich stattfindenden nationalen Wahlen im Oktober verschossen. Für die anstehende Ersatzwahl in die Regierung steht daher nur noch die zweite Garde bereit. Das bedeutet freie Bahn für die SP. Die Wahl ist damit faktisch gelaufen, womit die Basler Regierung auch in den nächsten Jahren rot-grün dominiert bleibt.

Man kann das Kind aber auch beim Namen nennen: Ob die Rücktrittsankündigung von Herzog für manche überraschend kam oder nicht, spielt gar keine Rolle; die Probleme der Basler Bürgerlichen reichen viel tiefer. Sie verpassen es seit Jahren, valable Kandidaten für höhere Ämter aufzubauen. So erstaunt es wenig, dass etwa die Ständeratswahlen für die
SP seit Jahrzehnten zum Schaulaufen geworden ist. Die Bürgerlichen haben in ihren Reihen schlicht keine Politgrössen, die ernsthaft Paroli bieten könnten – erst recht nicht, wenn aus strategischer Sicht eine Kandidatin gefragt wäre.

Die Einsicht ist nicht neu. Die Linke ist im Stadtkanton deshalb so stark, weil die Bürgerlichen so schwach sind. Für den bürgerlichen Wähler besonders ärgerlich: Die Parteispitzen von SVP bis GLP scheinen seit Jahren nichts daraus zu lernen.