Fluglärm

Bundesrat im Blindflug

(Symbolbild)

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Beim Euro-Airport wird unsere Landesregierung auf einmal europhil: Verlängerte Nachtruhezeiten sollen nur in Betracht gezogen werden, wenn sie sich auch «im europäischen Umfeld» durchsetzen, schreibt der Bundesrat als Antwort auf einen Vorstoss von Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL). Damit macht er sich die Sache zu leicht und fügt sich argumentativ in die Reihe jener bedingungslosen Flughafen-Fans, welche die Verantwortung für den zunehmenden Lärm auf irgendwelche Instanzen im Ausland schieben. Die magistralen Worte lesen sich wie eine Gleichgültigkeitserklärung aus Bern an die Region.

Das Thema Flughafen ist eng gekoppelt an die aktuelle Boom-Debatte in Basel: Die Wirtschaft gedeiht, die Bevölkerung konsumiert, wächst und reist. Negative Begleiterscheinungen wie explodierende Mieten, hohe Preise und konstanter Fluglärm sind anfänglich ignoriert oder in Kauf genommen worden. In der Wohnraumpolitik hat die Bevölkerung bereits eine Kursänderung erzwungen.

Das könnte auch beim Euro-Airport bald der Fall sein. Dann sprechen wir nicht mehr von einer moderaten Einschränkung von Starts und Landungen, sondern von einer radikaleren Regulierung des Betriebs. Die bedingungslosen Flughafen-Unterstützer werden jammern und die Schuld den Lärmgegnern zuschieben. Dabei haben sie mit ihrer Kompromisslosigkeit und Kurzsichtigkeit eine durchsetzungsfähige Gegnerschaft erst aufgebaut.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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