Heute präsentiere ich Ihnen exklusiv die einzig faire Lösung für die Bundesratswahl. Aber Sie müssen ein wenig Geduld haben, ich muss Sie erst auf den richtigen Weg führen. Und der ist steil. Bern liegt auf einem hohen Berg, mindestens so hoch wie der Nanga Parbat. So dachte ich als Kind, weil eine Nachbarin im Gespräch mit meinen Eltern immer wieder sagte: «Die in Bern oben machen eh, was sie wollen.» Als ich das erste Mal dann nach Bern kam, war ich ein wenig enttäuscht. Der Bärengraben war ganz okay, aber für einen Zolli-Liebhaber ist das höchstens ein Methadon-Programm.

So nebenbei erwähnt freue ich mich auf das Ozeanium, wenn es zu meinen Lebzeiten fertig wird und noch bevor der Klimawandel ganz Europa in ein Ozeanium verwandelt. Oder in eine Wüste. Vielleicht bleibt dann der Nanga Parbat als einer der wenigen Berge wie früher mal der Berg Ararat letzter Hafen für die Arche des 21. Jahrhunderts. Welche Tiere und vor allem welche Menschen würden Sie mit auf die Arche nehmen? Seien Sie ganz ehrlich. Also den Bundesrat würde ich mitnehmen. Das hätte etwas Beruhigendes für mich, das wäre trotz Weltuntergangs- Szenario ein bisschen wie ein erweitertes Bundesrats-Reisli. Die Amerikaner haben an einem ganz geheimen Ort (in Colorado) einen Berg ausgehöhlt wie wir früher das Alpenréduit, und dort verstecken sich dann in der Endzeit der amerikanische Präsident und alle, die er reinlässt. Da werden nur die Reichen und Schönen dabei sein, das können Sie also vergessen. Andererseits: Würden Sie den Rest Ihres Lebens gerne mit diesem schrecklichen Mann in einer Höhle verbringen? Eben. Also lieber mit unserem demokratisch gewählten Bundesrat über die Wellen surfen.

Aber was heisst hier schon demokratisch und gewählt? Immer mehr Leute fühlen sich nicht richtig repräsentiert. Na ja, langsam hat’s doch genug Frauen, sagt mir ein Mann. Es hat zu wenig Frauen, sagt eine Frau, aber die nominierten sind die falschen. Die Nominierten sind eigentlich fähig, sagen andere, aber sie kommen aus dem falschen Kanton. Und der falschen Partei. Und überhaupt. Und die eine, bei der fast alles stimmt, hat dann doch an einem Punkt eine ganz andere Meinung als ich. Die unterstütze ich nicht. Drum bin ich zum Schluss gekommen: Ich selbst muss kandidieren.

Ich stelle mich zur Verfügung. Kein anderer und keine andere repräsentiert mich so gut wie ich. Ich bin mit mir selbst fast immer einer Meinung, da passt kein Blatt Papier dazwischen. Weil das möglicherweise nicht ganz alle begeistert aufnehmen, schlage ich vor: Wir erweitern den Bundesrat um einige Mitglieder. 8,4 Millionen Schweizerinnen und Schweizer (abzüglich einiger Minderjähriger) werden neu der Bundesrat, und alle repräsentieren sich unaufhörlich selbst.

Jetzt mal im Ernst: Wenn wir in den beiden Basel nicht mit aller Kraft die ausgezeichnete Kandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter unterstützen, werden wir im 21. Jahrhundert keine Vertretung im Bundesrat erhalten. Dann müssen wir aber auch nicht mehr darüber jammern.

*Der Autor ist evangelischer Pfarrer und seit 2009 Co-Leiter des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft Basel-Stadt und Baselland. Er lebt in Basel.