Mein Leben im Dreiland

Cabaret um einen Rückspiegel

Der Aufsatz war noch ganz, aber im Spiegelglas gab es Risse.

In den Ferien hat zu Haus jemand den Aussenspiegel kaputt gefahren und ist abgehauen. Bis er wieder repariert war und die Probleme mit der Verkehrspolizei endlich geregelt waren, hat es einiges an Zeit und Nerven gebraucht.

Die Sardinien-Ferien begannen stressig. Während des Fluges haben irgendwelche Gauner neun Mal versucht , mit meiner Kreditkartennummer online einzukaufen. Zum Glück muss ich derartige Einkäufe immer mit einem Code bei meiner französischen Bank bestätigen. Ich habe das nicht gemacht. Also ist nichts passiert.

Wenig später hat mich die Betrugsabteilung meiner Bank Crédit Mutuel angerufen. Die Mietwagenfirma auf Sardinien hatte meine Kreditkarte mit 112 US-Dollar als Kaution belastet, ob das in Ordnung sei? Ich habe das bestätigt und fand den Anruf guten Service. Bei meiner Visa-Karte, die ich bei der Basler Kantonalbank habe, wäre das zum Glück ähnlich gelaufen.

Eine Stunde später klingelte das Handy erneut. Mein Nachbar fragte mich, ob der blaue Golf vor dem Haus meiner sei. Jemand habe den Aussenspiegel kaputt gefahren, aber eine Telefonnummer hinterlassen. Der Kunststoffaufsatz des Spiegels lag neben dem Auto, und mein Nachbar hat ihn für mich aufgehoben. Um die Mechanik zu schützen, umwickelte er den Spiegel mit einer Plastiktüte.

Am Abend habe ich die Telefonnummer angerufen. Es meldete sich ein freundlicher Herr, der den Unfall beobachtet hatte und sich als Zeuge anerbot. Schuld war ein in Italien zugelassener Camion, der Unfallflucht beging. Das Kennzeichen hatte er fotografiert.

Als ich zu Hause ankam, habe ich zuerst das Auto inspiziert. Zum Glück war nur das Spiegelglas kaputt. An der Windschutzscheibe fand ich eine Karte der Verkehrspolizei. Das Ressort Kontrollen forderte mich auf, den Mangel sofort zu beheben und die Karte mit einer Bestätigung innert 10 Tagen zurückzuschicken, sonst würde ich zur Nachprüfung bei der Motorfahrzeugkontrolle aufgeboten. Ich fand das ungerecht, schliesslich war das kaputte Auto nicht meine Schuld. Ich bin sicher, dass der defekte Spiegel in Frankreich oder Deutschland noch einige Zeit durchgegangen wäre.

Zum Glück hatte ich noch Zeit. Meine Versicherung deckt keine Parkschäden, und die Chance, den Verursacher in Italien zu erwischen, schien mir gering. Da habe ich bei meiner Garage in Huningue gefragt, was die Reparatur kostet und die 114 Euro selber übernommen. Laut Polizei durfte die Bestätigung auch aus Frankreich stammen. Leider war der Stempel der Garage so breit, dass er die Anschrift der Polizei überdeckte und selber nicht mehr gut zu lesen war. Ich habe die Karte in einen Umschlag gesteckt und gehofft, dass das gut geht.

Eine Woche später kam Post von der Verkehrspolizei, die anmahnte, ich hätte den Mangel nicht behoben. Drei Mails und ein Telefonat später stellte sich heraus, das sich die Briefe gekreuzt hatten. Was für ein Aufwand für einen Spiegel.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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