Es klingelt an der Tür. Die Familie macht Freudensprünge. Das Paket vom orangen Grosshändler kommt an. Ja, Papi hat vergessen, den Kühlschrank aufzufüllen. So geht es wohl vielen arbeitenden und alleinerziehenden Männern, denke ich, während ich Wienerli, Joghurt und Salat einräume. Zum Glück ist es bei uns zu Hause nicht immer so. Aber die vergangenen zwei Wochen waren hart.

Dabei hat Ostern so gut angefangen. Der versprochene Sandkasten für meine Tochter stand dank der Hilfe eines Freundes bereits am Gründonnerstag zum Spielen bereit. Die Wetterprognose fürs Wochenende war perfekt. Doch dann zogen dunkle Wolken auf. Meine Partnerin lag flach – eine Nasennebenhöhlenentzündung. Mich selbst hatte es mit einem hartnäckigen Schnupfen ebenfalls erwischt. Auch ich hätte das Bett hüten sollen. Aber geht nicht gibts nicht. Obwohl unsere Dreijährige sehr gut auch mal allein spielen kann, liess ich mich immer wieder hinreissen. So wie halt sonst jede Woche an meinem Papitag.

Im Spiel gehen wir mit den Bäbi ins Schwimmbad, einkaufen oder auf eine Wanderung. Ich bin jeweils der Papi, meine Tochter das Mami. Und unterwegs muss man natürlich essen und trinken, Windeln wechseln, Mittagsschläfchen halten und so weiter. Ihre Fantasie ist grenzenlos. Das ist schön, aber für mich etwas anstrengend. Ich wusste: Spätestens um 20 Uhr ist Ruhe. Nach der Gutenachtgeschichte noch alles aufräumen und dann ebenfalls ab ins Bett. Am Karsamstag ging es mir merklich besser. Wir verliessen das Haus und zogen im Christoph-Merian-Park beim Sommercasino mit dem Laufrad Runde um Runde. Erholt? Es geht so. Um elf Uhr abends stellte ich vor dem Fernseher fest, dass ich den halben Film verpennt hatte.

Wenn man frei hat, geht alleinerziehend ja noch. Aber nach den Feiertagen hiess es: zurück in den Stollen. Meiner Partnerin ging es langsam besser, fürs Kinderhüten reichte es aber nur knapp. Also kam ich mittags nach Hause, kochte, räumte auf und ging wieder arbeiten. Am nächsten Tag war die Kita für Betreuung und Bespassung zuständig.

Auch wenn ich todmüde und immer noch angeschlagen war: Die Stunden im Büro waren geradezu erholsam. Ich ertappte mich immer wieder dabei, wie ich herumtrödelte und unbewusst versuchte, die Arbeitsstunden in Freizeit umzuwandeln. Zum Glück bin ich selbstständig, keiner kontrolliert mich. Allerdings braucht das freie Arbeiten viel Selbstdisziplin.

Aber wie fühlt sich wohl jemand, der alleinerziehend und angestellt ist? In einem Blog lese ich von einem Mann, der seit sechs Monaten allein mit seiner ebenfalls dreijährigen Tochter lebt. Momente der Entspannung kennt er kaum. Für eine kurze Verschnaufpause nutzt er die Wartezeit an der Ampel. Und wir beklagen uns über einen leeren Kühlschrank!