Persönlich

Dank Klein-Istanbul bin ich kein Rassist

Multikulti - Kinder schreiben ihre Herkunft auf eine Tafel. (Symbolbild)

Multikulti - Kinder schreiben ihre Herkunft auf eine Tafel. (Symbolbild)

Die vier Jahre an der Primarschule Grellingen haben mich geprägt wie kaum etwas danach.

Als wir noch sehr klein waren, zogen unsere Eltern mit uns nach Grellingen. Sie suchten sich als Wohnort eine Gemeinde mit grossem Ausländeranteil aus. Nicht nur im Dorf selbst wird die Laufentaler Ortschaft deshalb gelegentlich als Klein-Istanbul bezeichnet.

Das war während meiner Kindheit schon so und hat sich nicht verändert. In den Neunzigerjahren, als meine Schwester und ich die Primarschule besuchten, waren wir als Schweizer in der Minderheit. In unseren Klassen hatte es Kinder aus der Türkei, aus Albanien, aus Italien, aus Spanien und aus Portugal. Mit einer Selbstverständlichkeit – wir kannten es ja gar nicht anders – lernten, spielten und unterhielten wir uns mit ihnen.

Später wechselte ich an die Sekundarschule und anschliessend ans Gymnasium. An beiden Orten ging es weit weniger multikulturell zu, als ich es zuvor erlebt hatte. Die vier Jahre an der Primarschule Grellingen haben mich jedoch geprägt wie kaum etwas danach. Der tägliche Umgang mit fremdländischen Kindern hat mir schon früh gezeigt, dass es keine Rolle spielt, woher jemand kommt. Mir wurde klar, dass es nette und blöde Menschen gibt – unabhängig von deren Herkunft.

Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass die Zeit in Klein-Istanbul mich für immer davor bewahrt hat, Rassist zu werden. Dafür bedanke ich mich von Herzen bei Besart, Franco, Angela, Durim und wie sie alle hiessen.

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