Persönlich

Dann gehen wir eben in eine Bar

In Italien ist man sich andere Preise für den Morgenkaffee gewohnt.

In Italien ist man sich andere Preise für den Morgenkaffee gewohnt.

Ein Frühstück für zwei Euro sucht man hier vergeblich: Als Tourist in Basel muss man sich an die Schweizer Preise zuerst gewöhnen.

Ich hatte über Ostern Besuch von einem italienischen Freund. Meine Basler Dreizimmerwohnung in der Offenburgerstrasse ist schön und verkraftet für ein oder zwei Nächte auch Besuch. Da der Freund aber eine Woche kommen wollte, waren wir uns einig, dass ich besser ein Bed and Breakfast für ihn suche.

Ich bin ganz in der Nähe fündig geworden und habe ihn in der Ötlingerstrasse untergebracht. Die Inhaber waren sympathisch, das Zimmer schön und ruhig – was will man mehr? Zu meiner Überraschung erhielt der Freund gratis ein Mobility-Ticket für den öV in Basel. Die ausgedruckte Bestätigung der Anmeldung galt bereits als Billett für die Anreise vom Euro-Airport zum Bed and Breakfast. Das nenne ich super organisiert. Weil er länger als fünf Nächte blieb, kostete die Übernachtung zudem zehn Prozent weniger als üblich. 72 Franken pro Nacht, das fand ich korrekt.

Für das Frühstück fielen extra zehn Franken an. Weil ich die Finanzen des Freundes schonen wollte, immerhin muss er zu einem horrenden Kurs Euro tauschen, habe ich ihm vorgeschlagen, zum Frühstücken zu mir zu kommen. Er meinte dann ganz locker: «Dann gehen wir eben halt in eine Bar.» Bekanntlich dauert la colazione in Italien ein bis zwei Minuten, wird im Stehen eingenommen, und ein Espresso oder Cappuccino mit einem Gipfeli kosten vielleicht zwei Euro. Bars gibt es dort wie Sand am Meer. In Basel sieht das anders aus, abgesehen davon, dass wir Schweizer Preise haben. Wir haben schliesslich abgewechselt: Mal zu mir und mal in die Bar, und wenn er es zuliess, habe ich ihn dort eingeladen.

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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