Der Kulturkampf mit meinen Söhnen bricht jeweils am Nachmittag ab 15 Uhr aus – vornehmlich an verregneten Ferientagen auf dem Hotelzimmer-Sofa. Dann nimmt der Reality-TV-Marathon seinen unheilvollen Lauf. Für diese fernsehsüchtigen Kids, die behaupten, von mir abzustammen, sind «Klinik am Südring», «Die Ruhrpottwache», «Die Autobahnpolizei» und «Auf Streife» das Grösste und am liebsten ohne Unterbruch zu konsumieren. Für mich der Beweis, dass es bis zum Untergang des Abendlandes nicht mehr weit sein kann.

Grundsätzlich bin ich in der Kindererziehung unglaublich tolerant (Pädagogen bitte weglesen). Das Herumballern mit «Nerf»-Plastikgewehren auf dem Pausenhof stört mich genauso wenig wie die endlose PC-Zockerei mit Strategiespielen ab 16. Aber bei dieser Volksverdummung via Privatsender hört der Spass auf.

Nun wissen alle geübten Väter, dass Verbote nur das Gegenteil bewirken. Ich versuche es mit subtiler Beeinflussung. So haben meine Kinder bereits begriffen, wie klischeehaft diese angeblich «echten Fälle» von drittklassigen Drehbuchautoren hingeschmiert und von viertklassigen Darstellern, die bereits bei der Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule gescheitert sind, hingepfuscht werden. Als unumstösslichen Beweis merke ich ganz beiläufig an, dass in jeder Szene – um auf Drama zu machen – wie wild herum geschrien wird, und immer einer der Beteiligten die Nerven verliert.

Der erhoffte Effekt will sich allerdings nicht so recht einstellen. Mit Begeisterung kommentieren die Kids nun jede solche Szene: «Die Frau schreit schon wieder herum! Gäll, Papi, ist das nicht total unrealistisch?» Ich nicke stumm. Die verdammte Glotze schalten sie trotzdem nicht ab.