Apropos

Das Fressen braucht keine Moral

Johann Schneider-Ammann

Johann Schneider-Ammann

In unserer Montagsausgabe hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann erklärt, weshalb eine Lockerung der Waffenexportbestimmungen angezeigt sei. Interessant vor allem ein Satz: «Es gibt auch keine Moral, ohne dass man etwas zu fressen hat.» Sagt der Wirtschaftsminister. Der Schweiz. Jener, der die Landwirtschaft zur Weissglut treibt, weil ihm internationale Wirtschaftsabkommen wichtiger sind als die Ernährungssicherheit.

Er sagt es, weil die heimische Rüstungsindustrie vor lauter Moral am Hungertuch nagt. Deshalb soll sie ihre todbringenden Produkte nun auch in Bürgerkriegsländer exportieren dürfen. Selbstverständlich wird alles genau kontrolliert, damit die Waffen ja nicht für das benutzt werden, wofür sie gebaut worden sind.

Das hat früher auch immer einwandfrei geklappt. Es war ja nicht so, dass 2006 PC-9-Trainingsflugzeuge von Tschad bewaffnet und in Darfur eingesetzt wurden. Und natürlich hat Saudi-Arabien 2011 in Bahrain nie Piranha-Radpanzer eingesetzt. Dass Schweizer Munition in zahlreichen (Bürger-)Kriegen für Leid und Verheerung sorgt, ist ebenfalls nur ein Gerücht.

Wenn wir nicht liefern, machts halt jemand anderes. So etwa das Fazit Schneider-Ammanns. Nur besitzen diese anderen nicht die moralische Integrität der Schweiz. Schliesslich sind wir der Hort der humanitären Tradition. Niemand kann ein menschenfreundlicheres Deckmäntelchen über Waffenlieferungen legen.

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