en PASSant

Das Glück der Unglücksbringerin

Soll die «Unglücksbringerin» das Deutschland-Shirt anziehen?

Soll die «Unglücksbringerin» das Deutschland-Shirt anziehen?

Während der Fussball-Europameisterschaft bereist bz-Redaktorin Céline Feller neun Städte und besucht zehn Spiele in fünf verschiedenen Stadien. Im Blog «en PASSant» erzählt sie von den Nebenschauplätzen der EM – von Streiks, Sicherheitsmassnahmen und Sauftouren.

Wir hatten Glück. Nicht nur, weil wir an dieser EM dabei sein können. Sondern vor allem deshalb, weil wir bei der Zuteilung der Spiele den Jackpot geknackt haben. Als ich mich im Sommer letzten Jahres auf Tickets für die EM bewarb, war noch nicht einmal klar, welche Teams dabei sein würden. Ich hoffte darauf, eines meiner Teams – die Schweiz, England und Spanien – live sehen zu können. Ich bewarb mich nicht systematisch auf Tickets an einem Spielort oder später auf die sogenannten «Follow your Team»-Tickets, sondern schlicht und einfach auf jene Spiele, bei denen mir im Ticket-Portal der Uefa angezeigt wurde, dass die Wahrscheinlichkeit hoch sei, den Zuschlag zu bekommen.

Und den bekam ich am Ende ja tatsächlich für neun Spiele, für jeweils mindestens zwei Tickets. Dann blieb nur noch die Frage, ob wir Losglück oder -pech haben würden. Aber wir hatten Glück. Bereits in der Gruppenphase konnten wir England, Spanien, Italien und Belgien zuschauen. Und diesen Isländern, die mittlerweile alle lieben und die vorher niemand auf dem Zettel hatte.

Und dann kamen die K.-o.-Spiele. Wir konnten Tickets für das Schweiz-Spiel gegen Polen ergattern. Kurzfristig. Die Karten, die wir schon länger hatten, brachten uns an Spiele wie Frankreich gegen Irland oder Spanien gegen Italien. Der Fussballgott hat es sehr gut mit uns gemeint.

Und zuletzt gab es für uns sogar noch den Klassiker Deutschland gegen Italien – mit dem Ausgang, auf den ich gehofft hatte. Denn das Ausscheiden der Italiener ist immer eines meiner grossen Highlights an einem Turnier. Doch bei all dem Glück klebte mir dennoch etwas Pech am Schuh. In jedem Spiel, das ich gesehen habe, konnte das Team, das ich unterstützte, nicht gewinnen. Spanien? Gegen Kroatien verloren und gegen Italien ausgeschieden. Die Schweiz? Out gegen Polen. England? Ein peinliches Unentschieden gegen Russland. Irland? Ein tragisches Ende gegen Gastgeber Frankreich. Die Liste ist damit nicht komplett – aber sie zeigt, welch Unglück ich zu bringen scheine. Bis zum letzten Spiel.

Italien ist raus und für uns gibt es in unserem letzten Spiel, dem Halbfinal in Marseille, ein zweites Mal Deutschland. Dank meiner besten Freundin, die zu Besuch gekommen ist, hätte ich jetzt sogar ein Deutschland-Trikot für das Spiel. Sie hat es im Stadion gegen ihr Shirt und ihren so sehr geliebten Tschäppel getauscht. Aber ob ich es anziehen will? Ich weiss es noch nicht. Ich will ja, dass sie in den Final kommen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1