Im Grossen und Ganzen war es eine gute Saison für Dreiland-Fussfallfans wie mich. Racing Strasbourg hat es tatsächlich hinbekommen, sechs Jahre nach seinem Konkurs und der Rückstufung in die fünfte Liga im Sauseschritt den Sprung in die Ligue 1 zu schaffen. Am letzten Freitagabend stand das halbe Elsass nach dem entscheidenden 2:1 Heimsieg gegen Bourg en Bresse Kopf, und am Samstag feierten 6000 Fans ihre Helden auf dem zentralen Place Kléber in Strassburg.

Mit 27 503 Zuschauern war die Meinau, das Stadion des Racing, ausverkauft und weitere Tausende verfolgten das Spiel auf einer Grossleinwand. Am Montag danach stimmte Präsident Marc Keller die Fans, die sich im ganzen Elsass befinden, in einem grossen Interview in der Zeitung «L'Alsace» schon auf die schwierige kommende Saison ein. Hauptziel sei es, in den nächsten drei, vier Jahren nicht wieder abzusteigen. Obwohl Racing sein Budget von der Ligue 2 auf 28 bis 30 Millionen Euro verdoppeln wird, spielt er in der französischen Königsklasse als Kleiner bei den Grossen mit. Zum Vergleich: Paris Saint-Germain verfügt über ein Budget von 500 Millionen Euro.

Jetzt muss die Meinau Erstliga tauglich gemacht werden. Langfristig könnte das 70 bis 80 Millionen Euro kosten, aber mehr Zuschauer und Einnahmen bringen. Auf der anderen Rheinseite will der Bundesligist SC Freiburg ein komplett neues Stadion bauen, das statt den bisher 24 000 Zuschauern ab der Saison 2019/20 35 000 Personen fassen soll. Das würde die finanziellen Möglichkeiten des Clubs erheblich verbessern. Dieses Jahr hat der SC eine super Saison gespielt und sie auf dem guten siebten Platz beendet.

Damit schrammt er an der sicheren Teilnahme an der Europa League vorbei. Diese wird nur dann möglich, wenn Dortmund gegen Frankfurt im Pokalfinale gewinnt. Das letzte Spiel der Saison hat Freiburg in München gegen Bayern mit 1:4 verloren. Für Aufregung und Ärger sorgte das Anastacia-Konzert in der Pause, durch das das Spiel acht Minuten später als vorgesehen wieder begann. Der Basler SVP-Grossrat, SC-Anhänger und Anwalt Heinrich Ueberwasser nahm dies zum Anlass, einen Brief an die Deutsche Fussball Liga (DFL) zu schreiben. Er verweist auf die Bedeutung des Spiels für die Europa League Qualifikation und fordert, eine Forfait-Niederlage von Bayern zu prüfen.

Die Medienstelle des SC Freiburg reagiert wenig enthusiastisch auf die Hilfestellung aus Basel. «Unser Trainer Christian Streich hat sich zu dem Thema ja bereits öffentlich geäussert. Zudem gab es seitens der DFL im Nachgang einen internen Austausch mit uns dazu. Hierbei wollen wir es belassen», schreibt Leiter Philipp Walter. Streich hatte seinem Ärger über die Verzögerung bereits Luft gemacht. In der Online-Ausgabe des Fussballmagazins «Kicker» heisst es: «Was halt echt genervt hat, war nach der Halbzeit, dass du nicht anfangen kannst zu kicken», sagte Streich nach dem Spiel und warnte: «Das sind dann so Dinge, wo du aufpassen musst.»

Neben dem FCB, der sein Abo auf die Schweizer Meisterschaft einlöste, gibt es allerdings auch zwei negative Nachrichten. So ist der FC Mulhouse, der auch schon 1. Liga gespielt hat, in die fünfte abgestiegen und der Karlsruher SC (KSC) in die dritte. Zum Glück gibt es eine Fan-Freundschaft mit Racing Strasbourg und die KSC-Anhänger können hochklassigen Fussball nächste Saison beim Nachbarn schauen.

peter.schenk@bzbasel.ch