Ich bin ein Landei. Als solches habe ich jetzt fast ein Jahr gelitten unter dem neuen Fahrplan des 70er-Busses vom Hinteren Frenkental nach Liestal und umgekehrt. Dass langes Leiden abstumpfe, gilt in diesem Fall nicht, wie ich kürzlich merken musste: Ich sass an einem Sonntag in Liestal im Bus nach Reigoldswil. Der Chauffeur fuhr just in dem Moment los, als der Schnellzug von Zürich im Bahnhof einfuhr. Er absolvierte die obligate Kehre vor der Bibliothek und passierte den Bahnhof nochmals, genau in jenem Moment, als die ersten Reisenden die Unterführungstreppe heraufgerannt kamen. Natürlich hielt der Chauffeur nicht an, stattdessen wartete er dann Däumchen drehend an der Endstation in Reigoldswil fast zehn Minuten lang, bis es wieder zurück nach Liestal ging. Die vergeblich Heraufstürmenden erinnerten mich schmerzlich an meine eigenen Fehlversuche, den Bus zu erwischen.

Ich weiss, der Chauffeur ist unschuldig. Er handelt so, wie er von der AAGL-Chefetage angewiesen ist zu handeln. Ansonsten würde er einen happigen Rüffel riskieren, wie es am Anfang der Fahrplanumstellung einige Chauffeure zu spüren bekamen. Und ich weiss, die Schuldigen sind eigentlich auch nicht die AAGL-Chefs. Die haben den Fahrplan letztlich nach den Wünschen des Bestellers, des Kantons, umgestellt. Die Leidenszeit, die mir diese öV-fernen Bürokraten beschert haben, habe mit dem neuen Fahrplan ab 9. Dezember ein Ende, hoffte ich. Dies, nachdem der Landrat im Herbst einem Konzept für einen verbesserten Fahrplan zugestimmt hatte. Aber Fehlanzeige. Die Neuerungen treten erst am 3. März 2019 in Kraft. Und ich muss konstatieren: Zum Glück bin ich wenigstens kein Ziefner Landei. Denn die Änderungen betreffen den 71er-Bus, und davon profitieren im Tal vor allem die Bubendörfer, weniger die Reigoldswiler und gar nicht die Ziefner.