Als ich vor gut zweieinhalb Jahren zurückkehrte in die Heimat, die ich 30 Jahre lang nur noch als Besucher erlebte, da dachte ich: Wahnsinn, wie sich diese Stadt entwickelt hat. Nichts ist vom Mief der Achtzigerjahre übrig geblieben, als die einsamen Höhepunkte nächtlicher Aktivität im Dreieck Tis-Kunsthalle-Bodega/Rio Bar zu finden waren. Der Rhein! Sauber und voller Leben. Vor allem an den Ufern. Die Rheingasse! Cool und urban. Doch dann war mir das Rheinbord bald zu überfüllt und die Rheingasse zu hipsterig. Und ich entdeckte den wahren Nukleus Basels: die Steinen.

Ich weiss genau, was Kollege Niggi Drechsler, ein Berufsbasler voller dünkelhafter Selbstherrlichkeit, mir jetzt alles an den Kopf werfen wird. Zum Beispiel meinen Agglo-Hintergrund. Meine lange Abwesenheit. Und wahrscheinlich auch, dass ich zu viele Kühe gemolken hätte. Ihm und den anderen Stänkerern sei aber gesagt: Gehet hin und geniesset. Marodierende Banden wie einst gibt es nicht mehr, die Dichte an Lumpenläden hat sich vermindert. Ebenso jene der Kinos. Letzteres ist allerdings schade. Dafür sind dazu gekommen: Bars, Bars, Bars, von stylish bis schäbig. Dazu mehrere Beizen, darunter zwei Mexikaner mittlerer Güte, irgendwas Swissness-mässiges und ein Burger-Laden der Luxusklasse. Und alle, wirklich alle stuhlen raus.

Vor allem ist da aber ein Menschengemisch, wie es so nirgends anzutreffen ist. Der Ausländeranteil liegt bei gefühlten 80 Prozent. Man promeniert, stolziert, schaut einfach zu oder verfolgt einen Match auf einem der zahlreichen Bildschirme. Es ist friedlich und gemütlich. Ein idealer Ort, um einen Abend zu beginnen oder ausklingen zu lassen. Und vor allem: Man ist rasch wieder zu Hause – in der Agglo.