Kommentar

Das schwierige Reden über Risiken

Vom Bohrturm im südkoreanischen Pohang ging das schwere Erdbeben aus.

Vom Bohrturm im südkoreanischen Pohang ging das schwere Erdbeben aus.

Es ist ein gut untersuchtes Phänomen: Menschen haben den Hang, Gefahren zu überschätzen. Das wissen auch die Wissenschafter, die ihre neuen und risikobehafteten Technologien zur Anwendung bringen wollen. Dass sie unter diesen Umständen wenig Interesse zeigen, die ihnen bekannten Risiken samt zugehörigen Wahrscheinlichkeiten zu betonen, versteht sich von selbst.

Mit dem Geothermie-Projekt haben die Basler eine Eins-zu-Eins-Bekanntschaft mit den Folgen dieses Handelns gemacht. Vor der menschgemachten Erschütterung der Stadt im Dezember 2006 war das Erdbebenrisiko der Geothermie kaum ein Thema. Danach wollten die Promotoren schon vorher in aller Deutlichkeit auf die Risiken aufmerksam gemacht haben.

Nun erleben wir nach dem Geothermie-Erdbeben in Südkorea das Spiel in erweiterter Form. Die Südkoreaner sind nicht nur überrascht wie Jahre zuvor die Basler. Sie versuchen vielmehr, die Verantwortlichkeit nach Übersee und konkret in die Schweiz zu delegieren. Unbesehen, wie berechtigt oder unberechtigt die Vorwürfe auch sein mögen, ist die Reaktion der Angesprochenen bezeichnend: Sie waschen ihre Hände in Unschuld und wollen es danach zuvor schon besser gewusst haben.

Die Technologie mag weitere Fortschritte gemacht haben, die Rede darüber hat es leider nicht.

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