Coronavirus

Das Virus und wir: Der Blick durch die Klobrille

Als ob man ein Schild um den Hals trägt: «Seht alle her, ich habe eine Verdauung!» (Symbolbild)

Als ob man ein Schild um den Hals trägt: «Seht alle her, ich habe eine Verdauung!» (Symbolbild)

Ich schäme mich, wenn ich WC-Papier einkaufe. Seit jeher und ohne dass ich wüsste, wieso genau. Vielleicht liegt es daran, dass man die meist sperrigen Pakete mit den Rollen nur schlecht beiläufig unter den Arm klemmen kann. Das versteckt man nicht wie eine Packung Kondome oder ein Warzen-Mittel beiläufig in der Jackeninnentasche. Nein, man trägt die flauschigen Rollen zur Schau – wie einen Nerz auf dem Catwalk. Gerade so gut könnte man sich ein Schild um den Hals hängen, auf dem in protzigen Lettern steht: «Seht alle her, ich habe eine Verdauung!»

Natürlich haben die alle gesunden Menschen. Die meisten ungesunden auch. Und zumindest in unserem Kulturkreis ist die Verrichtung des Geschäftes ohne WC-Papier nur schwer denkbar. Die Schweiz, so entnehme ich einem «Kassensturz»-Bericht von 2003, belegt im internationalen Vergleich sogar einen Spitzenplatz – mit einem Verbrauch von sage und schreibe 21 Kilogramm pro Person und Jahr. Das entspricht gut 200 Rollen!

Auch wenn ich die Richtigkeit dieser Zahl stark bezweifle, so steht doch fest: Es gibt keinen Grund, sich beim Einkauf von WC-Papier zu schämen. Ich tue es dennoch – heute mehr denn je. Denn wenn ich jetzt mit Rollen aus der Migros komme, dann halten mich alle für einen Hamsterer. Doch dummerweise neigen sich meine Vorräte wirklich dem Ende zu.

Was tun? Demonstrativ das kleinstmögliche Päckli kaufen? Jenes mit dem sechslagigen Luxuspapier, dem Duft einer Frühlingswiese und dem Preisschild eines Kleinwagens? Oder das Homeoffice verlassen und in der Redaktion vorbeischauen (unter dem Vorwand, ich müsse ein wichtiges Dokument holen) und dabei eine einzelne Rolle klauen? Dass es dort jedenfalls Vorräte hat, weiss ich, seit unsere gute Seele ein Rundmail verschickt hat, in dem stand «Ich habe Klopapier bestellt, A3 und A4.»

Ich brauchte fünf Anläufe, bis ich das Mail richtig lesen konnte. Offenbar hat das allerorts (ausser bei mir zuhause) präsente WC-Papier dazu geführt, dass ich die Welt durch eine Klobrille sehe. In Tat und Wahrheit stand in dem Mail: «Ich habe Kopierpapier bestellt, A3 und A4.» So viel also zum papierlosen Büro. Aber: Wenn ich nicht bald eine Lösung finde, ist mein Homeoffice jedenfalls auf dem besten Weg dazu.

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