Theatertreffen

Das Wunder von Basel

Simon Stones «Hotel Strindberg» steht beispielhaft für das internationale Renommee, welches das Theater Basel derzeit geniesst.

Simon Stones «Hotel Strindberg» steht beispielhaft für das internationale Renommee, welches das Theater Basel derzeit geniesst.

Basel ist die Theaterstadt der Stunde. Gleich vier Produktionen aus den hiesigen Spielplänen werden ans Berliner Theatertreffen 2019 eingeladen. Das ist Grund zur Freude und zu berechtigtem Stolz, aber auch Anlass, um einen vertieften Blick hinter die Kulissen dieses Erfolgs zu werfen.

Das Berliner Theatertreffen ist die Oscarverleihung des deutschsprachigen Theaters. Die Jury besteht aus Kritikerinnen und Kritikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie hat für den diesjährigen Wettbewerb 412 Stücke gesichtet, 30 kamen in die nähere Auswahl, 10 dürfen sich nun mit dem renommierten Label «Einladung ans Berliner Theatertreffen» schmücken.

Aus Basel sind dies Simon Stones «Hotel Strindberg» und Claudia Bauers «Tartuffe oder das Schwein der Weisen», beide aus dem Theater Basel. Die zwei anderen nach Berlin berufenen Stücke waren 2018 in der Kaserne zu sehen: Thom Luz’ «Girl from the Fog Machine Factory» und «Oratorium» des deutschen Kollektivs She She Pop.

Interessant ist, dass die vier Stücke aus ganz unterschiedlichen Produktionszusammenhängen stammen. Hier das grosse Stadttheater mit eigenem Ensemble, dort kleine, freie Gruppen, die ihre Arbeiten durch ein Netzwerk von nationalen und internationalen Koproduzenten finanzieren.

Am Berliner Theatertreffen ist es kein Novum, dass die besten Stücke des Jahrgangs nicht bloss aus Stadttheatern, sondern auch aus der freien Szene stammen. 2019 trifft dies neben den genannten Produktionen, an welchen die Kaserne beteiligt ist, auch auf «Unendlicher Spass» zu. Das Stück des deutschen Regisseurs Thorsten Lensing ist ebenfalls eine frei finanzierte Koproduktion von verschiedenen Theaterhäusern.

Drei freie, sieben Stadttheaterproduktionen, so die Bilanz des diesjährigen Berliner Jahrgangs. Aus Basel sind es je zwei. Das bedeutet, dass sich freies Theater und Stadttheater in Sachen Qualität auf Augenhöhe begegnen. Für das Publikum spielt es keine Rolle, aus welchen Produktionszusammenhängen Stücke stammen. Es will einfach gutes Theater sehen.

Für die Kulturpolitik ist der Juryentscheid aus Berlin jedoch ein deutliches Zeichen: Es lohnt sich, neben dem Stadttheater auch die frei agierenden Produzenten mit entsprechenden finanziellen Mitteln auszustatten. Die freie Theater- und Tanzszene in Basel hat unlängst aufgezeigt, dass sie, trotz Erfolg und im Vergleich zu Städten wie Zürich, unter prekären Bedingungen arbeitet. Da gilt es nachzubessern. Auf dass das Basler Theaterwunder weiter dauert.

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