Einem älteren Herrn, Jahrgang 1956, ist es langweilig. Deshalb soll mal eben eine junge engagierte Frau über die Klinge springen. Guy Morin, einst Basels erster Regierungspräsident und jetzt wieder Arzt, sehnt sich nach etwas Rampenlicht und Aufmerksamkeit. Medizinisch gesehen ein klarer Fall von politisch-maskulinem ADHS. Guy Morin sagt, er wolle helfen, den Sitz von Sibel Arslan zu sichern, indem er selber antritt und so seinem Ruhestand etwas Würze verleiht. Weil Herrn Dr. Guy Morin alles etwas fad ist, könnte also eine junge Politikerin ihren Platz im Nationalratssaal räumen müssen.

Die 37-jährige Juristin Sibel Arslan sitzt für das Bündnis aus Grünen und Basta im Nationalrat und politisiert dort mit viel Einsatz. Man muss nicht gut finden, was sie im Nationalrat tut. Aber man musste ja auch nicht gut finden, was Guy Morin als Regierungspräsident tat. Klar ist aber: Mehr als einen Sitz machen die Grünen in Basel auf keinen Fall. Und Morin hat einen derartigen Bekanntheitsvorsprung, dass es durchaus möglich ist, dass er sich gegen Arslan durchsetzt. Und was tut Arslan? Das, was man von einer anständigen Parteigenossin erwartet: Sie sagt, sie stelle das Wohl der Partei vor ihr eigenes. Genau diese Partei ist das Problem. Sie macht sich nämlich gerade absolut lächerlich.

An Parteiversammlungen der Grünen wird ein «Genderprotokoll» geführt. Fein säuberlich wird festgehalten, wie viele Minuten Männlein und Weiblein gesprochen haben, damit kein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern entsteht. Nun, liebe Grünen, wenn ihr etwas für die Gender-Gerechtigkeit tun wollt, dann pfeift Guy Morin zurück.

Sibel Arslan steht für drei Gruppen, die im Parlament gnadenlos untervertreten sind: Junge, Frauen und Migranten.

Guy Morin wäre nur ein weiterer alter weisser Mann in einem Meer von alten weissen Männern.