Vorletzten Samstag habe ich einen Ausflug auf den Lörracher Markt gemacht, und ich muss sagen: Er ist und bleibt ein Schlaraffenland und eine Pracht. Die verschiedensten Gemüse, farbenprächtige Bauernblumensträusse für vier oder fünf Euro, Kürbisse, Quitten, Birnen, Zwetschgen, Äpfel und sogar noch Himbeeren und Späterdbeeren, Schnaps und Wein, Konfitüren, Pesto, Nüsse, Trauben und frischgepresster Apfelsaft. Die Aufzählung ist unvollständig, und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte.

Gespräche mit freundlichen Bäuerinnen

An den beiden äusseren Rändern gesellen sich zu den 65 Bauernständen in der Mitte am Samstag um die 20 Händler. Auch sie bieten mit Fleisch und Salami, Käse, Pilzen und Backwaren eine Vielzahl von feinen Produkten an. Ich hatte mir fest vorgenommen, für meine Kolumne und auch für meine Einkäufe zuerst den ganzen Markt abzulaufen, aber das hat nicht geklappt. Zu gross war der Reiz, schon vorher zuzuschlagen. Mich hat es bei einem Bauernbrot erwischt – im Holzofen gebacken, wie die Bäuerin aus Binzen erzählte und gleich noch anfügte, als ich lobte, wie fein es aussah: «Man gibt sich ja alle Mühe.» Ich kann Ihnen sagen, es war wirklich ausgezeichnet.

Was mir am meisten gefällt am Lörracher Markt sind neben der Vielfalt und den vielen Produzenten diese kurzen Gespräche mit Bäuerinnen, die an ihrem kleinen Stand oft nur fünf oder sechs verschiedene Produkte anbieten und mit denen ich wie von selbst ins Gespräch komme – selbst mein lupenreines Hochdeutsch, mit dem ich mich dem Dialekt gegenüber manchmal ein wenig steif fühle, ist da kein Hindernis. In der Schweiz hat sich der Lörracher Markt natürlich schon lange herumgesprochen. Ich habe sogar gehört, dass Basler und Baselbieter Spitzenköche sich hier mit frischen regionalen Produkten versorgen. Am schönsten und reichhaltigsten bestückt ist der Markt am Samstag. Ansonsten findet er auch am Dienstag und Donnerstag statt – an allen drei Tagen von 7 bis 13 Uhr.

Der Samstagsmarkt wurde erst 1893, gegen den erheblichen Widerstand von Kandern, das seinen eigenen Markt hatte, eingeführt. Das Marktrecht hat Lörrach 1403 von König Ruprecht von der Pfalz auf Initiative des Markgrafen Rudolf erhalten. Dieser hatte dem König bei seinem Zug nach Rom beigestanden, wo er sich erfolglos zum Kaiser krönen lassen wollte und hatte ihm auch danach beigestanden. Als Gegenleistung erbat er sich die Verleihung des Marktrechts. Dem Markgrafen war klar geworden, dass Basel damals wirtschaftliches Zentrum, Zielort und Umschlagplatz der Produkte aus einem weiten Umkreis war.

«Ein florierender Markt würde nicht nur die Versorgung des Marktortes mit Lebensmitteln sicherstellen, er könnte auch die Niederlassung von Zwischenhändlern, Krämern, Schankwirten und Handwerkern bewirken.» (Quelle und Zitat: Waldemar Lutz, Markt in Lörrach)

Viel schöner als der Basler Markt

1403 war Lörrach ein Dorf und hatte gerade mal 600 Einwohner. Das Marktrecht wurde übrigens 1452 von Kaiser Friedrich bestätigt. Heute kann der Basler Markt mit demjenigen von Lörrach nicht mehr mithalten – eine Folge des fehlenden Basler Hinterlands und der Zollbestimmungen. Lörrach ist sich der Bedeutung seines Marktes bewusst. So finden Sie unter www.loerrach.de/maerkte eine praktische und schöne Aufstellung, welche Saisonprodukte zu welcher Zeit erntefrisch oder als Lagerware auf dem Markt erhältlich sind – oder aber nicht verfügbar, da es sich um Importware handelt.