«Wir arbeiten daran, die Kultur in Basel für die Zukunft fit zu machen. Daneben fand in den vergangenen Monaten auch die Neuaushandlung des Kulturvertrags mit dem Kanton Baselland statt. Der erfolgreiche Abschluss dieser Verhandlungen entlastet übrigens das Kulturbudget.»

Mit diesen Worten liess sich die Basler Regierungspräsidentin vergangene Woche in einem Interview mit der bz zitieren. Die Verwaltung arbeitet daran, die Kultur fit für die Zukunft zu machen? Enthält diese Aussage nicht einen Widerspruch in sich? Geschenkt.

Aber vielleicht kennt die Regierungspräsidentin aus ihrer Schulzeit das folgende Experiment: Man nimmt zwei Schüsseln. Die eine füllt man mit lauwarmem Wasser, die zweite mit Eiswasser. Man taucht seine linke Hand für einige Zeit ins Eiswasser. Danach taucht man beide Hände gleichzeitig ins lauwarme Wasser. In der rechten Hand fühlt sich das Wasser lauwarm an, in der linken heiss.

Das Experiment verdeutlicht den Kontrasteffekt, einen häufigen Denkfehler. Die Menschen beurteilen etwas als heisser, grösser oder schöner, wenn sie gleichzeitig etwas Kaltes, Kleines oder Hässliches vor sich haben. Sie haben Mühe mit absoluten Beurteilungen.

2016 lebten gerade einmal 39 Prozent der Besucherinnen und Besucher der baselstädtischen Kulturinstitutionen in Basel-Stadt, 25 Prozent kamen aus Basel-Landschaft. Bei verschiedenen Institutionen lag der Anteil der Besucherinnen und Besucher aus dem Nachbarkanton sogar um einiges höher: in der Oper des Theater Basel bei 37 Prozent, im Ballett bei 36 Prozent oder beim Sinfonieorchester Basel bei 34 Prozent. Basel-Stadt hat 2016 aber 52,4 Millionen Franken bezahlt an 15 gemeinsam finanzierten Kulturinstitutionen – und Basel-Landschaft gerade einmal 9,9 Millionen Franken. Weitere basel-städtische Kulturausgaben von 73,2 Millionen Franken, etwa für die Museen, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Die Fakten sind eindeutig, ihre Beurteilung ist für sich betrachtet einfach: Baselland bezahlt der Stadt viel zu wenig für ihre kulturellen Zentrumsleistungen, die Beiträge müssten deutlich erhöht werden. Dennoch kündigte der landschaftliche Regierungsrat 2015 an, die Beiträge von rund 10 Millionen Franken auf rund 5 Millionen Franken halbieren zu wollen, und bedrohte damit verschiedene städtische Kulturinstitutionen in ihrer Existenz. Nachdem drei Jahre lang verhandelt und à fonds perdu 80 Millionen Franken von der Stadt an die Landschaft überwiesen wurden, haben sich die beiden Regierungen 2018 auf Beiträge von 9,6 Millionen Franken geeinigt – wohl auch mit Blick auf die Abstimmung über die mittlerweile geplatzte Spitalfusion.

Klar: Im Vergleich zu 5 Millionen beurteilt man 9,6 Millionen als grösser und schöner. Aber wer diese Einigung aus basel-städtischer und kultureller Sicht als «erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen» bezeichnet, der macht einen gewaltigen Denkfehler.

*Tobit Schäfer arbeitet als Strategie- und Politikberater. Zudem engagiert er sich ehrenamtlich in verschiedenen Kulturinstitutionen. Während 13 Jahren politisierte er für die SP im Grossen Rat.