Mein Leben im Dreiland

Der private Versand wird kräftig abkassiert

(Symbolbild)

Auf manche Päckchen aus dem Ausland fallen Gebühren an.

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Die Wiener Tante schickt einem Vierjährigen aus Basel ein Geburtstagsgeschenk im Wert von 60 Euro. Weil auf dem Zollformular nicht Geschenk angekreuzt war, mussten die Eltern der Post Zollgebühren und Transportkosten für über 60 Franken nachzahlen. Kulanz sieht anders aus.

Zu seinem vierten Geburtstag hat der kleine Sohn eines Lesers per Post ein Geschenk von seiner Tante aus Wien geschickt bekommen: Eine CD, ein T-Shirt und einen gebrauchter Kinderrucksack im Gesamtwert von 60 Euro.

Die Schweizer Post hat der Familie die Freude an dem Geburtstagsgeschenk allerdings gründlich vermiest. Die Frau des Lesers regte sich auf, weil sie umgerechnet über 60 Franken an die Post nachzahlen musste: 23,50 Franken Zollgebühr und 28,58 Euro Transportkosten. Die verschiedenen Gebühren waren also fast so teuer wie der Wert des Geschenks. Das ist bitter.

So werden Lieferadressen gefördert

Der Leser, der in Basel wohnt, hält das für nicht mehr verhältnismässig. «Schräg erscheint mir auch, dass mittlerweile Amazon ja den Versand in die Schweiz durchaus beherrscht mit räsonablen Preisen. Ich finde es schade, dass der rein private Versand derartig abkassiert wird – genau das fördert natürlich die bekannten Postadressen im Badischen.»

Auch wenn er nicht wirklich ein Entgegenkommen erwartete, hat der Leser sich an die Post gewendet, die auch prompt antwortete. Sie schrieb: «Als zoll- und mehrwertsteuerfreie Geschenke gelten nur Sendungen von Privatpersonen im Ausland an Privatpersonen in der Schweiz bis zu einem Warenwert von CHF 100.»

Wo ist das also das Problem? Die Erklärung folgt auf den Fuss: «Ihre Sendung erfüllt die genannten Kriterien einer Geschenksendung nicht und muss somit ordentlich verzollt werden. Aus diesem Grund ist eine Korrektur und Rückerstattung der Einfuhrabgaben nicht möglich. Wir bedauern, Ihrem Anliegen nicht entsprechen zu können.» Tatsächlich hatte die Tante des Buben vergessen, auf dem Begleitformular, das sie ausfüllen musste, Geschenk anzukreuzen. Weil die Post gut organisiert ist, lag ein Screenshot des Dokuments bei.

Vermutlich keine Beratung

Der Leser bedauert die fehlende Kulanz, räumt aber gleichzeitig ein, dass das Wort Geschenk formell tatsächlich fehlte. «Nun, die Bedeutung war uns nicht bewusst, ebenso war vermutlich auch keine Beratung in Wien vorhanden.» In einer weiteren Antwort an die Post habe er festgestellt, dass die einzig tragbare Lösung die Versandadressen seien. Früher habe er selber eine derartige Adresse in Weil am Rhein gehabt. «Allerdings wollte ich natürlich lieber den direkten Weg nutzen – aber nicht zu einem solchen Preis.»

Die Betreiber der Lieferadressen dürften sich freuen über diesen kostenlosen Werbespot. Die Post verhält sich formal korrekt – Kundenfreundlichkeit aber ist etwas Anderes.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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