Ich! wohne! im! Basel! Biet! Nundefaane!

Da stehe ich im Edelweisshemd in Amden SG auf der Kabarettbühne und berichte im kuhfladigen Appenzeller Dialekt, ich sei verheiratet. Und zwar «fremdländisch.» Schmunzeln im Publikum. «Säb gfallt mer äbe.» Grinsen. «Echli näbis anders. Näbis Exotisches. Ääni vo Basel.»

Ausserhalb der Nordwestschweiz ist die Pointe immer ein Kracher. Für die Restschweizer sind die Basler skurrile Wesen. Leute, die ständig Meister feiern. Eine Ethnie voller quer flötender Larven, voller quer denkender Schnitzelbänkler und voller Heinz Margot, den man wenigstens nur einmal jährlich abbekommt, im Gegensatz zu Jan Eitel, der in den Ohren der Restschweiz genau so klingt, wie er heisst.

Jetzt aber das Geständnis: Meine Pointe ist gelogen. Verheiratet bin ich nämlich mit einer Frenkendörferin. Nur gibt das auf der Kabarettbühne keine Pointe her. Weil es in der Restschweiz vom Baselbiet keine klare Vorstellung gibt. Und schon gar keine Klischees. Baselbiet? Ist wohl eine Art unauffällig bewohnter Vorgarten von Basel. Ein paar Minuten Grünfläche zwischen Belchenröhre und Fressbalken, wo ja die Agglo anfängt, also wohl Basel, gell. Von Laufen- oder Leimentälern hat kein St. Galler je gehört. Zürcher schon gar nicht, die hören sowieso nur sich selber.

Welcher brave Berner kann Baselbieter Promis dem Baselbiet zuordnen, abgesehen von Roger Federer und einigen unserer Leute im Bundeshaus? Höchstens noch wochenweise die temporären Dreitagepromis aus der Welt der gehobenen Sangeskunst. Aber der Durchschnittsluzerner kennt doch nur einen einzigen Baselbieter persönlich, und das ist der Radar zwischen Diegten und Sissach.

Was schrieb der Blick, als Mike Müller das erste Mal den Securitas Rickenbacher Schorsch mit seinem Oberbaselbieter Mundwerk spielte? «Mike Müller macht den Basler Security». Basler! Mike Müller ist in Olten gross und sehr kräftig geworden und als Bub mit dem Ohr in Richtung Hauenstein eingeschlafen. Keiner imitiert Oberbaselbieter so treffsicher wie er. Aber unser nationales Schreiorgan hält den Rickenbacher Schorsch für einen Basler. Und im Appenzellerland fragen sie mich auch nach 24 Jahren bei jedem Besuch, wie es laufe «in Basel unten». Ich! wohne! im! Basel! Biet! Nundefaane!

Wie wir mehr Beachtung bekämen wüsste ich durchaus: Wir besetzen Stadt und Kanton Basel, überfallen Fricktal, Dorneck und Thierstein, giessen den Juranordfuss zu einem topografisch sinnvollen Kanton und geben ihm einen Namen, den die Restschweiz kennt und liebt. Kanton Joggeli.

Aber daraus wird wohl nichts. Baselbieter sind friedfertig, grundsätzlich. Und sie überstürzen nichts. Sie wei luege. Im beredten Schweigen sind sie so gut wie die Appenzeller. Womöglich ist es ihnen ja auch einfach schnurz, und nur ein Heimwehappenzeller wie ich findet es seltsam, in einem Kanton zu leben, der keine Klischees bietet, über die die Restschweiz herzhaft lachen kann – im Gegenteil zum «Appenzeller», der mit einträglichen Klischees überreich gesegnet ist.

Schade für das Baselbiet. Denn nur das Beste ist gut genug, um darüber zu lachen. Und das Baselbiet gehört zum Besten.

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