Ich habe mit Begeisterung davon gelesen, dass an den Landrat ein Antrag auf die Prüfung einer Gesetzesänderung gestellt wurde. Neu soll es zulässig werden, dass die Behörden bei einem Assistierten Suizid (AS) die Kosten auf die Verursacher übertragen, gegen 2000 Franken pro Fall. Eine Gesetzesänderung ist wohl bei allen Sterbehilfeorganisationen sehr willkommen. Nur zielt die angesprochene Gesetzesänderung in die falsche Richtung. Die Kosten, welche durch die Abklärung eines AS entstehen, dürfen nicht auf die Verursacher abgewälzt werden, sondern sie müssen verhindert werden!

Der zur Stiftung Eternal Spirit gehörige Verein Lifecircle betreut eine Trauergruppe, in der sich Angehörige von Menschen, die einen AS eingegangen sind, treffen und ihre Sorgen in geschütztem Rahmen miteinander diskutieren können. Kurz nach Erscheinen des bz-Artikels vom vergangenen Samstag trafen sich Mitglieder dieser Trauergruppe in Liestal. Wieder einmal betonten die Hinterbliebenen, dass weniger die Erlebnisse des AS traumatisch sind, sondern dass vielmehr die uniformierte Polizei, welche den «Tatort» bewachen muss, sowie insbesondere die Legalinspektion mit völligem Entkleiden des Verstorbenen, bei den Hinterbliebenen schwere Traumata hinterlassen kann.

Das höchst liberale Schweizer Gesetz verlangt als einzige Voraussetzung für den AS die Urteilsfähigkeit des Sterbewilligen. Die Urteilsfähigkeit kann aber post mortem, nach dem AS, nicht durch eine Legalinspektion festgestellt werden. Die Legalinspektion ist unnötig, da nach Schweizer Gesetz jeder Urteilsfähige auch ohne schwerste Krankheit einen AS eingehen darf.

Die Todesursache muss ebenfalls nicht durch eine Legalinspektion abgeklärt werden. Die Todesursache ist bei einem AS absolut klar, die schriftlichen Unterlagen sowie mehrfache schriftliche Bestätigung des Todeswunsches durch den Sterbewilligen liegen vor. Bei Eternal Spirit liegt sogar ein Kurzfilm vor, der mit Fragen an die sterbewillige Person zeigt, dass die Person wusste, was sie tut und sich bewusst war, dass sie sterben wird, wenn sie die Infusion eigenhändig öffnet. Mehr Sicherheit kann kaum gegeben werden. Da ist es wirklich fragwürdig, ob zwei uniformierte Polizisten den «Tatort» 3 bis 4 Stunden lang bewachen müssen, und ob eine Legalinspektion notwendig ist.

Wir haben heutzutage den natürlichen und den unnatürlichen Todesfall, der absolut zurecht als möglicher Mord abgeklärt werden muss. Es ist an der Zeit, dass für den AS eine dritte Kategorie eingeführt wird. Bei dieser sollen sich die Abklärungen auf die Urteilsfähigkeit des Verstorbenen sowie darauf konzentrieren, ob die assistierende Person oder Organisation nicht aus selbstsüchtigen Gründen handelt. Ich frage den Landrat an, was mit den Kosten nach einem Zugsuizid passieren soll?

Wenn sich jemand unter den Zug wirft, entstehen höhere Kosten als bei einem AS, ganz abgesehen vom Trauma des Lokführers, der Angehörigen und der Menschen, welche die Leichenteile einsammeln müssen. Wie wollen die Behörden diese Kosten den Verursachern übertragen? Die Stiftung Eternal Spirit wäre sofort bereit, beim AS von Ausländern die Kosten für eine ausgebildete Amtsperson zu bezahlen, welche vor dem AS ins Zimmer kommt, die Vorbereitungen und den AS beobachtet und sich nach ausgeführtem AS mit der Staatsanwaltschaft besprechen und die Leiche freigeben kann.

So wären uniformierte Polizei und die Legalinspektion unnötig. Und vor allem könnte die beobachtende Amtsperson jederzeit und bevor die Person tot ist, bei Auffälligkeiten den Ablauf stoppen. Die Anwesenheit der Amtsperson wäre eine viel weniger grosse Belastung für die trauernde Familie als die Polizei und die Legalinspektion mit der Störung der Totenruhe danach. Anzufügen bleibt, dass Basel-Stadt seit vier Jahren keine uniformierte Polizei mehr zu einem AS schickt, sondern einen Fahnder in Zivil und den Rechtsmediziner. Polizeiautos und uniformierte Polizisten vor einem Einfamilienhaus lösen Fragen aus, verletzen somit die Privatsphäre der Trauernden. Ein AS ist kein Mord, sondern Sterbekultur, die nicht kriminalisiert werden muss.

Es ist Zeit, dass nicht nur Ärzte, sondern auch Behördenmitglieder den Entscheid von urteilsfähigen, mutigen Menschen respektieren. Es ist Zeit für eine Gesetzesänderung betreffend Abklärung des AS, aber in die richtige Richtung!

* Die Autorin ist Hausärztin und Präsidentin der Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit.