Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage haben Städte mit höherer Anziehungskraft auch höhere Parkgebühren. Eine Stunde kann beispielsweise in New York über 25 Dollar kosten. Um die Preise zu senken, könnten Städte wie Basel natürlich die Anzahl Parkplätze erhöhen. Aber dann kämen mehr Autos, und es gäbe mehr Stau. Denn die Zufahrten ins begehrte Zentrum lassen sich kaum erweitern.

Dennoch müssen wir uns schon wieder mit zwei Initiativen auseinandersetzen, die genau das wollen: mehr zentrumsnahe Parkplätze. Letzte Woche wurden die Begehren aus dem Umfeld des Gewerbeverbandes eingereicht. Dahinter steckt der Traum von der autogerechten Stadt. Besonders schmerzlich hat Basel die Folgen dieser Idee erlebt, die heute weltweit als Irrtum gilt. Dem Konzept fielen gleich reihenweise historische Häuserzeilen zum Opfer, etwa an der Spiegelgasse, am Claraplatz oder in der Aeschenvorstadt. Die Narben im Stadtbild werden nie mehr ganz verheilen.

Seit ein Umdenken vor 50 (!) Jahren das Wüten der Abrissbirne gestoppt hat, achtet die Planung darauf, die Zahl der zentrumsnahen Parkplätze mit der Kapazität der Zufahrten in Einklang zu bringen. Im Gegenzug baute Basel den öffentlichen Verkehr aus. Denn dieser ist viel effizienter unterwegs: Ein Tramzug ersetzt rund 200 Autos. Die Beschränkung der Parkplatzzahl hält auch die Parking-Preise auf einem Niveau, das Parkhäuser rentabel macht. Sinkende Parkplatz-Preise würden hingegen auf den Niedergang der Stadt hindeuten.

Wie lange werden der Gewerbeverband und seine ewiggestrigen Mitstreiter diese Zusammenhänge weiter ignorieren? Wie oft wollen sie uns noch die alte, zerkratzte Platte von der autogerechten Stadt vorspielen? Ihre Melodie möchte – trotz ständiger Wiederholung – kaum jemand mehr mitsingen. Auch die jüngsten Initiativen verleugnen einfachste Regeln der Verkehrsdynamik. Dem Gewerbe und besonders dem Detailhandel erweisen sie damit einen Bärendienst. Denn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätten durchaus Sympathien für die Unterstützung von kleinen Handwerkern und Ladenbesitzerinnen – würden diese bloss innovativere Ideen propagieren. Das veraltete, klimaschädliche Privatauto interessiert im Zeitalter der Sharing Economy, von E-Commerce, Quartierläden, Lieferdiensten und Umweltbewusstsein bald niemanden mehr. Am allerwenigsten die Städter.

Das hat sogar der Hauseigentümerverband (HEV) erkannt, der nicht als speziell progressiv gilt. Ralf Gardani, einer der führenden HEV-Schatzungsexperten, erklärte kürzlich in dieser Zeitung, weshalb immer mehr Leute zurück in die Stadt ziehen: «Die Menschen kommen auch in die Stadt, weil sie zum Beispiel kein Auto brauchen und wieder näher am Arbeitsplatz sein wollen.» Wir sollten den Hintermännern der jüngsten Initiativen das Versprechen abnehmen, dass sie nach Ablehnung dieser beiden Vorlagen einmal für zehn Jahre die Endlosschleife Parkplatzpolitik verlassen und dafür auf neue Gedanken kommen, wie wir alle dem Gewerbe helfen könnten, auch in Zukunft zu prosperieren. Ich wäre gerne dabei.