Eine Person in meinem Bekanntenkreis pflegt ein etwas spezielles Hobby: Sie kommentiert das politische Geschehen auf allerlei Onlineseiten. Doch das tut sie nicht unter dem eigenen Namen. Sie erfindet auch nicht irgendeinen. Vielmehr hat sie sich drei bestimmte Persönlichkeiten ausgedacht, wie ein Autor für einen Roman.

Da gibt es den arbeitslosen Informatiker, der sich nie weitergebildet hat. Statt den Fehler bei sich selber zu suchen, findet dieser frustrierte Mittfünfziger ihn bei den Ausländern. Er wählt SVP. Sein Gegenstück ist eine Mittvierzigerin, Krankenschwester, SP-Wählerin. Und vor einigen Monaten hat die Person einen Deutschen mit länglichem Doppelnamen erfunden, der Schweizer Politik von oben herab kommentiert.

Manchmal lässt diese mir bekannte Person – und wir lassen hier offen, ob es die Anstellung beim Staat ist, die ihr so viel Raum für derartige Spiele lässt – zwei dieser oder gar alle drei Avatare gegeneinander antreten. Ein typisches Szenario sieht so aus: Der frustrierte SVPler sagt etwas so Dummes wie Fremdenfeindliches. Worauf andere Diskussionsteilnehmer sich erschreckt fragen, wie tief das Niveau im Land gesunken sei. Das ist der ideale Zeitpunkt für den Einsatz des Deutschen mit Bindestrich-Namen – allein dieser Bindestrich treibt weitere Mitkommentierer zur Raserei. Er bestätigt: Ja, das Niveau in der Schweiz ist erschreckend tief gesunken.

Ich kennen jemanden, der mit drei rein virtuellen Persönlichkeiten Debatten aufmischt. Wie viele solcher Burka-Trolle gibt es wohl weltweit? Wie viele Follower sind gekauft? Wie viele Likes programmiert?