Zwei Jahre dauert die Auseinandersetzung jetzt schon: Das Lörracher Landratsamt hat im Juni 2017 angeordnet, dass der sogenannte Dreispitz in einem Kreisel bei Binzen, nur wenige Kilometer von Basel, abgebaut werden muss. Die Skulptur aus Aluminium besteht aus drei jeweils acht Meter langen Spitzen, steht mitten im Kreisverkehr und symbolisiert, dass hier drei Verkehrswege aufeinander treffen.

Abgebaut werden sollte sie wegen der Unfallgefahr. Dabei gab es vom Bau des Kreisels 2001 bis 2017 bei 90 Millionen Fahrzeugen nur 20 leichte Unfälle.

Weil sich die Gemeinde und viele Bürger wehrten und in einer Petition für den Erhalt des Kunstwerks über 5000 Unterschriften sammelten, gab ihnen die Petitions-Kommission des baden-württembergischen Landtags recht. Allerdings darf der Dreispitz nur stehenbleiben, wenn 166'000 Euro in Massnahmen zur Gefahrenreduzierung investiert werden. Bezahlen soll diese die Gemeinde. Für den 3000-Einwohner-Ort ist das viel Geld und entsprechend laut ist die Kritik. Da stosse Behördenwillkür auf gesunden Menschenverstand, hiess es im Dorfparlament.

Im Haushalt der Gemeinde sind 40'000 Euro für die Arbeiten vorgesehen. Auch läuft eine Spendenaktion, bei der sich insbesondere Gewerbetreibende grosszügig zeigen. Gerade wurde bekannt, dass das Finanzamt den Dreispitz als Kulturdenkmal einstuft – Spenden können also von der Steuer abgesetzt werden. Noch versucht der Bürgermeister von Binzen die Kosten für den Umbau mit neuen Vorschlägen zu reduzieren.

Ob das klappt, ist zweifelhaft. So verweist Torben Pahl, Mediensprecher des Landkreises Lörrach, darauf, dass das Landratsamt als untere Strassenbaubehörde die beschlossene Gefahrenreduzierung vorbereiten und begleiten muss. «Einen Ermessens- beziehungsweise Handlungsspielraum hat das Landratsamt hierbei nicht.»

Kunst im Kreisel gibt es als grossen Stuhl beziehungsweise einem Obelisken auch zweimal in Weil. Baubürgermeister Christoph Huber berichtet der bz, dass es diesbezüglich noch keine Entscheidungen, Kontakte oder Austausch irgendwelcher Art gebe.

Das allerdings wird nicht immer so bleiben. Das Landratsamt betont, dass es derzeit alle Ressourcen darauf konzentriere, den Vorgang in Binzen abzuschliessen. «Im Anschluss werden auch die beiden erwähnten Kreisverkehre in Weil am Rhein näher untersucht werden müssen.» Die Posse geht also weiter. 2017 hat es die Geschichte sogar in eine deutsche nationale Satiresendung geschafft.

In der Schweiz geht man mit der Kreiselkunst für einmal liberaler um. So manches Kunstwerk aus den beiden Basel müsste nach deutscher Regelung weichen.

peter.schenk@bzbasel.ch